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Alexander von Humboldts Metaphysik der Erde

Seine Welt-, Denk- und Diskursstrukturen

Hans-Otto Dill

Anhand Alexander von Humboldts amerikanischem Reisewerk ( Reise in die Äquinoktialgegenden des neuen Kontinents, Politische Essays über Mexiko und Kuba) wird in dieser Untersuchung in Verbindung mit der Erdphilosophie seines Kosmos nachgewiesen, dass dessen Denk- und Diskursstrukturen auf einem in der Dialektik Erde-Mensch kulminierenden System von Binomen beruhen. Mit ihrer Hilfe sei es dem preußischen Natur- und Kulturwissenschaftler gelungen, wesentliche kausalgenetische Zusammenhänge zwischen der spezifisch lateinamerikanischen Natur und den indigen-kreolischen Gesellschaften auf diesem Subkontinent aufzudecken. Auch die respektiven Unterschiede zu Europa lassen sich mit dessen anderer Natur und Kultur – im Unterschied zu rassistischen und biologistischen Theorien – erklären.

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Viertes Kapitel: Organisches vs. Anorganisches

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Mit heiß vs. kalt endet in Humboldts Erdgeschichte und Erdphänome- nologie, die für ihn fast identisch sind, die Liste der Natur-Binomien. In der Struktur seines Denkens trennt sich entsprechend der Erdgenesis und Erd- struktur die Verbindung zwischen dem bloßen Dasein der Materie des Erdballs einerseits, dem Anorganischen, und den Organismen, welch letztere auf der leeren Erdkugel ein eigenes Leben zu führen beginnen, andererseits. Be- schränkte sich meine bisherige Darlegung der Metaphysik Humboldts auf die anorganische Natur, behandelte ich organische und humane Bezüge nur, soweit sie deren kulturelle Folgen im Natur-Kultur Übergangsfeld waren, so folgt nun der Übergang zu den das Organische bezeichnenden Binomen. Bereits seine erste wissenschaftliche Publikation, die Flora Subterranea Fribergensi, untersuchte Beziehungen zwischen Anorganischem und Organi- schem, Pflanzen und Mineralen, in erzgebirgischen Bergstollen, also im Über- gangsfeld zwischen toter Materie und Lebewesen, deren Studium, nämlich des „Einflusses der toten Natur auf die belebte Tier- und Pflanzenschöpfung“, Programm seiner Südamerikareise wurde. Die Trennung der Erde vom übrigen Kosmos bildet den Untergrund seiner Unterscheidung zwischen uranologischem und tellurischem Reich. Die Erde ist sowohl anorganische Materie, als auch, als „Scholle“, organischer Lebensquell. Humboldt schildert die Hervorwölbung der Kontinente aus dem Urmeer, die Verteilung der Landmassen auf beide Hemisphären, die Meere, Gebirge, Vulkane, Ströme, Landschaften, Lichtverhältnisse, den „Luftozean“, Winde, Gravitation, Magnetismus, Klimate, Ebbe und Flut und die folgenreiche Tren- nung zwischen der östlich-eurafrikasiatischen und der westlich-amerikanischen Hemisphäre. Es folgen die Fossilien, animalische: Ammoniten, Muscheln, Fische, Reptilien, Saurier, S...

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