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Alexander von Humboldts Metaphysik der Erde

Seine Welt-, Denk- und Diskursstrukturen

Hans-Otto Dill

Anhand Alexander von Humboldts amerikanischem Reisewerk ( Reise in die Äquinoktialgegenden des neuen Kontinents, Politische Essays über Mexiko und Kuba) wird in dieser Untersuchung in Verbindung mit der Erdphilosophie seines Kosmos nachgewiesen, dass dessen Denk- und Diskursstrukturen auf einem in der Dialektik Erde-Mensch kulminierenden System von Binomen beruhen. Mit ihrer Hilfe sei es dem preußischen Natur- und Kulturwissenschaftler gelungen, wesentliche kausalgenetische Zusammenhänge zwischen der spezifisch lateinamerikanischen Natur und den indigen-kreolischen Gesellschaften auf diesem Subkontinent aufzudecken. Auch die respektiven Unterschiede zu Europa lassen sich mit dessen anderer Natur und Kultur – im Unterschied zu rassistischen und biologistischen Theorien – erklären.

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Fünftes Kapitel: Natur vs. Kultur

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Zu den gewissermaßen gattungsmäßig, von der Natur nicht vorprogram- mierten Evolutionen gehört der komplizierte, nach dem Prinzip von trial and error zufällig, punktuell, nur in (West)Europa, und dort mit Hilfe des Anschubs durch Kolonialbesitz gelungene, zufällige Übergang von kommerziellem Geld in industrielles Kapital. Zu den nichtprivilegierten, auf Fremdhilfe angewiesenen nicht-okziden- talen Regionen rechnet Humboldt Iberoamerika, wo alle Modernisierung von außen, von Europa kam, wie seine Ausführungen zu Mexiko und Kubas zeigen, wo er – gegenüber dem einheimischen mentalen Traditionalismus, der jede Dy- namik, dieses Grundgesetz der Moderne, abbremst – aus Europa kommende ka- pitalistische Elemente wahrnahm, die Übergänge zur dynamischen Gesellschaft bedeuten. Die erste Phase globaler Beschleunigung war für Humboldt die Renais- sance, das Zeitalter der Erfindungen und der Entdeckung Amerikas mit seinen unerhörten Fortschritten. Er nennt die Anthropoglobalisierung die „relative numerische Verbreitung der Menschenstämme über den Erdkörper“. (Hervorh. HOD, Ko I, 141) Doch seine eigentliche wissenschaftliche Innovation ist sein auf seiner Personalunion von Natur- und Kulturwissenschaftler beruhendes Zusammen- hangsdenken von Natur und Kultur, so wenn er das Luftmeer als Träger des physikalischen Phänomens des Schalls, diesen als Träger der kulturellen Er- scheinung der gesprochenen Sprache, und letztere als Medium des sozialen Phä- nomens menschlicher Kommunikation identifiziert, oder wenn er Klima, Hö- henlage, Landwirtschaft, Lebensmittelaufkommen, Ernährung und Marktpreise mittels statistikgestützter (agrar-, wirtschafts- und anthropologiehistorischer) Feststellungen korreliert. Sein holistisches Zusammenhangsdenken besteht vor allem darin, dass er wegen der Konnexionen zwischen Natur und...

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