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Alexander von Humboldts Metaphysik der Erde

Seine Welt-, Denk- und Diskursstrukturen

Hans-Otto Dill

Anhand Alexander von Humboldts amerikanischem Reisewerk ( Reise in die Äquinoktialgegenden des neuen Kontinents, Politische Essays über Mexiko und Kuba) wird in dieser Untersuchung in Verbindung mit der Erdphilosophie seines Kosmos nachgewiesen, dass dessen Denk- und Diskursstrukturen auf einem in der Dialektik Erde-Mensch kulminierenden System von Binomen beruhen. Mit ihrer Hilfe sei es dem preußischen Natur- und Kulturwissenschaftler gelungen, wesentliche kausalgenetische Zusammenhänge zwischen der spezifisch lateinamerikanischen Natur und den indigen-kreolischen Gesellschaften auf diesem Subkontinent aufzudecken. Auch die respektiven Unterschiede zu Europa lassen sich mit dessen anderer Natur und Kultur – im Unterschied zu rassistischen und biologistischen Theorien – erklären.

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Exkurs 2:Poesie vs. Meteorologie: Licht und Luft in Mexiko und Kuba

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147 Exkurs 2: Poesie vs. Meteorologie: Licht und Luft in Mexiko und Kuba Die beiden Politischen Essays über Mexiko bzw. Kuba behandeln zwei auf den gleichen Breitengraden gelegene mesoamerikanische bzw. karibische Territorien mit ähnlichen klimatischen und meteorologischen Bedingungen, deren Differenzierungen durch Humboldt auf der Ebene der Nanophänomene liegen. Der Mexiko-Essay sticht durch die Darstellung der Natur der Morphologie des Terrains, der Böden, Gebirge und Wüsten sowie der Kakteen, Agaven und sonstigen Pflanzen und ihre Einfügung in die Landeskunde hervor. Darüber hinaus widmet er einem für diese Landschaft charakteristischen Naturphänomen, dem der normale Besucher und auch der Durchschnitts- bewohner des Landes kaum Beachtung schenkt, große Aufmerksamkeit: den je besonderen Luft- und Lichtverhältnissen und den davon abhängigen Entfernungs- und Farbwahrnehmungen in Mexiko und Kuba, mikroskopische Phänomene, die man in gewöhnlichen Landeskunden nicht vorfindet. Doch Humboldts fast zwanghaftes Wahrnehmungsvermögen kannte weder Grenzen noch Hierarchien, wurde auch von Kleinphänomenen wie Luft, Licht, Entfernung, Farbe und Gerüche affiziert. Im Kosmos, in dem er die Bedeutung der Sinneswahrnehmung neben dem physisch-realen In-der-Welt- Sein und der geistig-philosophischen Weltaneignung in je besonderen Kapiteln hervorhebt, widmet er ein ganzes Kapitel einer ganz bestimmten Form sinn- licher Weltwahrnehmung: der Visualisierung. Er beschrieb aufmerksam selbst chemosomatische Reizreaktionen wie das ständige Schwitzen im feuchtheißen Tropenklima und das Leiden unter Mückenstichen. Die von ihm beschriebenen optischen und olfaktorischen Mikrophänomene sind für die grobe Sightseeing-Mentalität heutiger Mexiko- und Kuba-Touristen allerdings nur noch kleinformatige...

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