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Alexander von Humboldts Metaphysik der Erde

Seine Welt-, Denk- und Diskursstrukturen

Hans-Otto Dill

Anhand Alexander von Humboldts amerikanischem Reisewerk ( Reise in die Äquinoktialgegenden des neuen Kontinents, Politische Essays über Mexiko und Kuba) wird in dieser Untersuchung in Verbindung mit der Erdphilosophie seines Kosmos nachgewiesen, dass dessen Denk- und Diskursstrukturen auf einem in der Dialektik Erde-Mensch kulminierenden System von Binomen beruhen. Mit ihrer Hilfe sei es dem preußischen Natur- und Kulturwissenschaftler gelungen, wesentliche kausalgenetische Zusammenhänge zwischen der spezifisch lateinamerikanischen Natur und den indigen-kreolischen Gesellschaften auf diesem Subkontinent aufzudecken. Auch die respektiven Unterschiede zu Europa lassen sich mit dessen anderer Natur und Kultur – im Unterschied zu rassistischen und biologistischen Theorien – erklären.

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Achtes Kapitel: Lateinamerika vs. Weltkapitalismus

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Erst lange nach der „Entdeckung“, und zwar zu Zeiten von Humboldts Lateinamerika-Besuch, begann die Integration des Subkontinents in die Weltwirtschaft und damit in die Welt, überwand Südamerika seine lange durch die spanische Kolonialmacht verfügte Isolierung, die von García Márquez im gleichnamigen Roman als Hundert Jahre Einsamkeit deklariert wurde, als der Subkontinent noch isolationalistisch seinen gesamten Außenhandel fast ausschließlich über Spanien abwickelte. Humboldt bewies statistisch sowohl in Menge wie Spezies des Außen- handels Kubas und Mexikos, dass und wie viele Güter aus allen Ländern der Welt auf die lateinamerikanischen Märkte kamen, und registrierte den ansteigenden Agrargüter-Export nach Europa: Kartoffeln, Tomaten, Kakao, „Kolonialwaren“ wie Tabak und Rohrzucker und Guano, der aufgrund seiner Empfehlung als Dünger bald zum wichtigen Exportprodukt Perus avancierte. Umgekehrt konstatiert er die Etablierung von Textilfabriken, Manufakturen und Werften europäischer Provenienz in Mexiko und dem heutigen Kolumbien. Er vermerkt die Ausweitung und Vervielfachung der Bergwerke in Kolumbien und Mexiko und das schnelle Anwachsen des iberoamerikanischen Exporthandels nach Europa mit Nutz- statt wie früher Edelmetallen, und den Wandel des zunächst binationalen, auf Spanien fokussierten interkontinentalen Außen- handels zum Welthandel und die Verwandlung Havannas in einen Weltha- fenplatz. Zum zweiten konstatierte er als Modernisierungsmoment lateinameri- kanischer Wirtschaftsverhältnisse in Folge des Einschlusses in den Welthandel das Wachsen des Geld- und Zahlungsverkehrs und damit zusammenhängender Währungsfragen, in denen er sich bereits in seinen fränkischen Tagen als Hardenbergs Berater als Experte ausgewiesen hatte. In Iberoamerika...

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