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«Südwest ist u. bleibt das Land der Ueberraschungen u. Enttäuschungen»

Die Tagebücher des Missionskaufmanns Gustav Hellmann und seiner Frau Elisabeth, 1907-1923

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Edited By Christiane Küchler Williams and Marianne Bechhaus-Gerst

Im Jahr 1907 reiste der Barmer Gustav Hellmann in die damalige Kolonie Deutsch-Südwestafrika, um eine Stelle als Missionskaufmann in Karibib anzutreten. Während seines sechzehnjährigen Aufenthaltes füllte er drei Tagebücher, welche hier zusammen mit den Aufzeichnungen seiner Frau Elisabeth zum ersten Mal veröffentlicht werden. Die Tagebücher bieten einen einmaligen Einblick in das Leben der weißen deutschen Kolonialbevölkerung – mit Alltagsbeschreibungen und Kolonialhausfrauensorgen, Kommentaren zu den Kolonialkriegen gegen Herero und Nama, gesellschaftlichen und politischen Beobachtungen. Eingeleitet und abgerundet wird das Buch mit Übersichtskapiteln zur Familiengeschichte, dem zeitgenössischen Deutsch-Südwestafrika und der besonderen Situation der Frauen in den Kolonien.

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Gustav Hellmanns Deutsch-Südwest

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Der erste Tagebucheintrag von Gustav Hellmann stammt vom 31.3.1907, dem Tag, an dem in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika der Kriegszu- stand offiziell aufgehoben wurde. Knapp sechs Wochen später betritt er selbst den fremden Boden, der ihm zur zweiten Heimat werden soll. „Jetzt sind die Kriegszeiten wol für immer [vorbei] u. friedlich hebt der neue prächtige Kirch- turm der alten Kirche sein Haupt über den idyllischen Platz empor u. giebt dem Ort so etwas überaus anheimelnd gemütliches“, vermerkt Gustav Hellmann am 22. 8. 1907 in seinem Tagebuch. Für die einheimische Bevölkerung dürfte von Idylle und Romantik, wie sie der Kaufmann in seinen Tagebüchern immer wie- der erwähnt, wenig zu spüren gewesen sein. Vor der deutschen Aneignung lebten in Südwestafrika neben anderen Volksgruppen etwa 80.000 Herero und 20.000 Nama. Deutsch-Südwestafrika war das einzige Gebiet unter deutscher Kolonialherrschaft, das als Siedlungsko- lonie geeignet schien. Zwischen 1898 und 1903 erlebte vor allem das Herero- land einen Ansturm deutscher Siedler, angelockt durch den stabiler gewordenen Frieden und von den wirtschaftlichen Chancen, die Ackerbau und Viehzucht bo- ten. Die Herero wurden systematisch um Land und Vieh gebracht, teilweise durch Betrug, teilweise durch Raub. Die ihnen verbliebenen Viehbestände wur- den durch die große Rinderpest 1897 dahingerafft; sie gerieten immer mehr in Abhängigkeit von den deutschen Kolonialisten. Deutsche Händler brachten viele Herero an den Rand der wirtschaftlichen Existenz. Zudem verbreitete sich das Gerücht, die einheimische Bevölkerung solle in Reservaten...

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