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Arbeitsfelder der Jugendsprachforschung

Studienbuch für Lehre und Forschung

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Joachim Gerdes

In diesem Band sollen Annäherungen an das Phänomen der deutschen Jugendsprache aus unterschiedlicher Sichtweise vorgenommen werden. Ein solcher multiperspektivischer Ansatz erscheint geeignet, der Vielschichtigkeit und Sperrigkeit des sich einer monosemischen Definition widersetzenden Forschungsgegenstandes hinreichend gerecht zu werden. Jedes der elf Kapitel ist dabei einer linguistischen Teildisziplin verpflichtet, darunter Grammatik, Soziolinguistik, Textlinguistik, Kulturwissenschaft, Sprachkontaktforschung, Sprachwandelforschung und Sprachkritik. Die Frage, ob die Jugendsprache die Substanz der historisch gewachsenen und im Laufe der Kulturgeschichte verfeinerten deutschen Sprache subversiv untergräbt oder ob ihr sprachhistorischer Wert in ihrem enormen sprachschöpferischen Potenzial ruht und sie damit die Vorhut des weder vermeidlichen noch umkehrbaren kontinuierlichen Sprachwandels bildet, ist kaum definitiv zu beantworten. Ziel der Monographie ist daher vielmehr mithilfe unterschiedlicher Ansätze einen möglichst umfassenden Überblick über Erscheinungsformen der (deutschen) Jugendsprache zu präsentieren und zur weiteren Vertiefung der einzelnen Forschungsansätze anzuregen.

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1 Einführung

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Der Terminus ‚Jugendsprache’ wird in der Forschung häufig als irreführend bezeichnet. Der Begriff ‚Jugendsprache’ sei ebenso wie der Begriff ‚Jugend’ selbst an ein „bestimmtes Gesellschaftsverständnis gebunden, innerhalb dessen funktionale Bestimmungen ihre explanative Kraft entfalten“. Jugendsprachen erschienen „nur aus einer Außensicht als homogene und autonome Größen“, hingegen seien „die empirisch belegten sozialen Differenzierungen innerhalb der heutigen [...] Jugendsprachen [...] ein deutlicher Beleg gegen die angebliche Homogenität“ (Neuland, 1987, 63). Zwischen Standardsprache, Umgangs- sprachen, Regionalsprachen, Soziolekten etc. sind die Jugendsprachen als nicht genau abgrenzbares Kontinuum angesiedelt und verfügen über fließende Übergangsbereiche zu jeweils anderen Sonder- und Gruppensprachen wie auch zur Standard- und Mediensprache. Neuland definiert den spezifischen Sprachgebrauch Jugendlicher daher als ‚subkulturelle Stile’, die „durch Ausbildung tendenzieller Gebrauchspräferenzen von sprachlichen Mitteln aus dem Bestand der Standardsprache [...] umgewandelt, also destandardisiert und zu einem Stilmuster zusammengefügt werden“ (2003b, 140). Androutsopoulos beschreibt Jugendsprache allgemein als „altersspezifische Teilmenge von Umgangssprache“ (1998, 3), wobei er in späteren Forschungen diese vereinfachte Definition differenziert und Jugendsprache als Oberbegriff für die Gesamtheit der typisch jugendsprachlichen Merkmale verwendet, die wiederum in erster Linie methodisch aus einer korrelativen, einer lexikologischen und einer interaktionalen Perspektive untersucht werden können. Androutsopoulos unterteilt damit den Komplex ‚Jugendsprache’ in einen wortschatzbezogenen Teilbereich, eine varietätenbezogene Ebene, die sich auch auf syntaktische und morphologische Elemente konzentriert, sowie eine diskursorientierte Sichtweise, die auch pragmalinguistische Beobachtungen miteinbezieht. Dabei betont Androutsopoulos jedoch, dass Jugendsprachen besser verstanden werden können, „wenn korrelative, lexikologische, interaktionale Phänomene als verschiedene Facetten derselben ‚objektiven...

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