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Arbeitsfelder der Jugendsprachforschung

Studienbuch für Lehre und Forschung

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Joachim Gerdes

In diesem Band sollen Annäherungen an das Phänomen der deutschen Jugendsprache aus unterschiedlicher Sichtweise vorgenommen werden. Ein solcher multiperspektivischer Ansatz erscheint geeignet, der Vielschichtigkeit und Sperrigkeit des sich einer monosemischen Definition widersetzenden Forschungsgegenstandes hinreichend gerecht zu werden. Jedes der elf Kapitel ist dabei einer linguistischen Teildisziplin verpflichtet, darunter Grammatik, Soziolinguistik, Textlinguistik, Kulturwissenschaft, Sprachkontaktforschung, Sprachwandelforschung und Sprachkritik. Die Frage, ob die Jugendsprache die Substanz der historisch gewachsenen und im Laufe der Kulturgeschichte verfeinerten deutschen Sprache subversiv untergräbt oder ob ihr sprachhistorischer Wert in ihrem enormen sprachschöpferischen Potenzial ruht und sie damit die Vorhut des weder vermeidlichen noch umkehrbaren kontinuierlichen Sprachwandels bildet, ist kaum definitiv zu beantworten. Ziel der Monographie ist daher vielmehr mithilfe unterschiedlicher Ansätze einen möglichst umfassenden Überblick über Erscheinungsformen der (deutschen) Jugendsprache zu präsentieren und zur weiteren Vertiefung der einzelnen Forschungsansätze anzuregen.

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2 Lexikographie – Wörterbücher der Jugendsprache

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Die lexikographische Archivierung jugendsprachlicher Lemmata ist im deutschen Sprachraum bisher kaum systematisch betrieben worden, sondern weitgehend einer periodischen Publikationstätigkeit semiwissenschaftlicher Autoren und Verlage überlassen worden. Im Folgenden soll ein Überblick über Wörterbücher der deutschen Jugendsprache gegeben werden, die seit Beginn der 1980er-Jahre erschienen sind. Dabei sollen auch Auswahlkriterien, Quellen, Informationsabsichten und Zielgruppen, die die Wörterbuchautoren selbst für ihre Publikationen angeben, berücksichtigt werden, gefolgt von einigen kritischen Überlegungen zu inhaltlichen Aspekten der Worterklärungen sowie Beobachtungen zu grammatischen, semantischen und morphologischen Aspekten der Wortauswahl und Distribution. Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts setzt auf dem deutschen Buchmarkt ein Boom von Wörterbüchern der Jugendsprache ein, der sich bis heute mehr oder weniger kontinuierlich fortsetzt und der das zunehmende gesellschaftliche Interesse am Phänomen Jugendsprache widerspiegelt. Die bisher erschienenen Wörterbücher zur deutschen Jugendsprache haben jedoch einen „bestenfalls populär- oft […] nur pseudowissenschaftlichen Anspruch“, konstatiert Eva Neuland, ihre Lemmata seien im Hinblick auf „Auswahl der Lexeme, die Bedeutungszuschreibungen und die Angaben über Verbreitung und gruppenspezifische Gebräuchlichkeit nicht wissenschaftlich gesichert“, dienten insgesamt eher der „Vermarktung von ‚Jugendsprache’“, also nicht deren wissenschaftlicher Erforschung und Lexikographierung (2003, 265f.). Dieses wenig schmeichelhafte Verdikt trifft sicherlich weitgehend zu und warnt davor, der wissenschaftlichen Aussagekraft dieser Wörterbücher zur Jugendsprache ungeprüft zu vertrauen. Umso notwendiger erscheint es also, die jugend- sprachlichen Wörterbücher im Hinblick auf inhaltliche, formale und ideo- logische Gesichtspunkte einer eingehenden kritischen Bewertung zu unterziehen. Der folgende Überblick erhebt keinen Anspruch auf...

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