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Arbeitsfelder der Jugendsprachforschung

Studienbuch für Lehre und Forschung

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Joachim Gerdes

In diesem Band sollen Annäherungen an das Phänomen der deutschen Jugendsprache aus unterschiedlicher Sichtweise vorgenommen werden. Ein solcher multiperspektivischer Ansatz erscheint geeignet, der Vielschichtigkeit und Sperrigkeit des sich einer monosemischen Definition widersetzenden Forschungsgegenstandes hinreichend gerecht zu werden. Jedes der elf Kapitel ist dabei einer linguistischen Teildisziplin verpflichtet, darunter Grammatik, Soziolinguistik, Textlinguistik, Kulturwissenschaft, Sprachkontaktforschung, Sprachwandelforschung und Sprachkritik. Die Frage, ob die Jugendsprache die Substanz der historisch gewachsenen und im Laufe der Kulturgeschichte verfeinerten deutschen Sprache subversiv untergräbt oder ob ihr sprachhistorischer Wert in ihrem enormen sprachschöpferischen Potenzial ruht und sie damit die Vorhut des weder vermeidlichen noch umkehrbaren kontinuierlichen Sprachwandels bildet, ist kaum definitiv zu beantworten. Ziel der Monographie ist daher vielmehr mithilfe unterschiedlicher Ansätze einen möglichst umfassenden Überblick über Erscheinungsformen der (deutschen) Jugendsprache zu präsentieren und zur weiteren Vertiefung der einzelnen Forschungsansätze anzuregen.

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3 Sprachkritik – Jugendsprache in der Presse

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Bei der Lektüre der aktuellen deutschsprachigen Tages- und Wochenpresse lassen seit einiger Zeit gewisse vor allem lexikalische Auffälligkeiten den einen oder anderen Leser stutzen: So liest man etwa von hochgejazzten Landtagswahlen, von verschwurbelten Persönlichkeiten oder Redeweisen, von angefressenen Fußballspielern. Man erfährt von Journalisten, die sich ins Abseits labern und sich Abwatschereien einhandeln; der Leser wundert sich über Präsidenten, die politisch herumeiern, Minister, die aus anderen Doktorarbeiten abpinnen oder abkupfern, Politiker, die sich gegenseitig beharken, betuppen, aber auch gelegentlich betütern; ferner finden sich Zickenkriege, abschmierende Börsenindexe, unangemessen hochgetunte politische Diskussionen, ferner Kicks, tote Hosen, gehypte Themen, die dann häufig doch wieder im Gemoser enden; nicht selten ist die Rede von angefixten Personen, von Gesums und Gewusel, von Trends, die hip, gaga oder krass, aber auch hackenöde, piefig oder flop sein können, im letzteren Fall Zoff oder Frust auslösen und nölige, wenn nicht gar bedröppelte Gesichter zur Folge haben können usw. Die Auflistung ließe sich nach Belieben fortsetzen und anhand von Korpusdaten quantitativ belegen, soll hier aber nur einen ersten Einblick in die Thematik vermitteln. Die aufgeführten Lexeme sind unschwer als jugendsprachlich, teils auch umgangs- oder regionalsprachlich zu erkennen, sind somit eher den Ausdrucksmitteln der gesprochenen Sprache zuzuordnen. Auch wenn das nicht heißt, dass sie nicht in schriftlichen Texten auftauchen können oder dürfen, stammen sie aus einem lexikalischen Register, das in einem Kontext Verwendung findet, der aber der Nähekommunikation zuzuordnen ist....

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