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Arbeitsfelder der Jugendsprachforschung

Studienbuch für Lehre und Forschung

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Joachim Gerdes

In diesem Band sollen Annäherungen an das Phänomen der deutschen Jugendsprache aus unterschiedlicher Sichtweise vorgenommen werden. Ein solcher multiperspektivischer Ansatz erscheint geeignet, der Vielschichtigkeit und Sperrigkeit des sich einer monosemischen Definition widersetzenden Forschungsgegenstandes hinreichend gerecht zu werden. Jedes der elf Kapitel ist dabei einer linguistischen Teildisziplin verpflichtet, darunter Grammatik, Soziolinguistik, Textlinguistik, Kulturwissenschaft, Sprachkontaktforschung, Sprachwandelforschung und Sprachkritik. Die Frage, ob die Jugendsprache die Substanz der historisch gewachsenen und im Laufe der Kulturgeschichte verfeinerten deutschen Sprache subversiv untergräbt oder ob ihr sprachhistorischer Wert in ihrem enormen sprachschöpferischen Potenzial ruht und sie damit die Vorhut des weder vermeidlichen noch umkehrbaren kontinuierlichen Sprachwandels bildet, ist kaum definitiv zu beantworten. Ziel der Monographie ist daher vielmehr mithilfe unterschiedlicher Ansätze einen möglichst umfassenden Überblick über Erscheinungsformen der (deutschen) Jugendsprache zu präsentieren und zur weiteren Vertiefung der einzelnen Forschungsansätze anzuregen.

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5 Sprachkontaktforschung – Interferenz in der Jugendsprache

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Da das sogenannte Kanakische oder Türkendeutsch, dem in den letzten Jahren sowohl in der Alltagssprache als auch in verschiedenen Medien, bis hin zu Universitätsseminaren und wissenschaftlichen Untersuchungen als Sonderform der deutschen Jugendsprache erhebliche Aufmerksamkeit zuteil geworden ist, mittlerweile auch Eingang in erste innovative DaF-Lehrwerke findet (www.derweg.org/aktuell/deutschland/vollkrass.html), erscheint es opportun, einige Reflexionen zur linguistischen Gestalt, zur Entstehung und zur sozialen Funktion dieser jugendsprachlichen Varietät anzustellen. Zudem ist zu fragen, inwieweit hier eine Realität repräsentiert wird, die der Zielsetzung eines nach didaktischen Gesichtspunkten zwangsläufig einzugrenzenden Wirklichkeits- ausschnittes gerecht wird. Als Bezeichnung für den Untersuchungsgegenstand findet sich häufig in Anlehnung an das literarische Debüt des Kieler Schriftstellers Feridun Zaimoglu die Bezeichnung Kanak Sprak (vgl. Kap. 4). Die heute allgemein als Kanakisch bezeichnete Sprachform unterscheidet sich jedoch schon dadurch von Zaimoglus Kanak Sprak, dass sie weder über Geheimwortschatz verfügt, noch durch das für Kreolsprachen charakteristische und von Zaimoglu verwendete Code-Switching gekennzeichnet ist. Ausgehend von den Ursprüngen des zu einer Jugendsprachmode avancierten Sprachphänomens, bezeichnet Androutsopoulos dieses hingegen im Titel seines grundlegenden Artikels als Türkendeutsch, fügt in seiner Einleitung dann aber weitere Termini wie Türkenslang oder Ghettosprache hinzu (Androutsopoulos 2001, 3). Im Allgemeinen findet sich jedoch in zahlreichen Internetbeiträgen sowohl privater als auch öffentlicher Provenienz die Bezeichnung Kanakisch, die in der vorliegenden Analyse verwendet wird, da sie weder direkt auf Zaimoglus literarisierte Kanak Sprak bezogen ist, noch Gefahr läuft, mit der Migrantensprache der ersten türkischen Gastarbeitergeneration (T...

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