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Arbeitsfelder der Jugendsprachforschung

Studienbuch für Lehre und Forschung

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Joachim Gerdes

In diesem Band sollen Annäherungen an das Phänomen der deutschen Jugendsprache aus unterschiedlicher Sichtweise vorgenommen werden. Ein solcher multiperspektivischer Ansatz erscheint geeignet, der Vielschichtigkeit und Sperrigkeit des sich einer monosemischen Definition widersetzenden Forschungsgegenstandes hinreichend gerecht zu werden. Jedes der elf Kapitel ist dabei einer linguistischen Teildisziplin verpflichtet, darunter Grammatik, Soziolinguistik, Textlinguistik, Kulturwissenschaft, Sprachkontaktforschung, Sprachwandelforschung und Sprachkritik. Die Frage, ob die Jugendsprache die Substanz der historisch gewachsenen und im Laufe der Kulturgeschichte verfeinerten deutschen Sprache subversiv untergräbt oder ob ihr sprachhistorischer Wert in ihrem enormen sprachschöpferischen Potenzial ruht und sie damit die Vorhut des weder vermeidlichen noch umkehrbaren kontinuierlichen Sprachwandels bildet, ist kaum definitiv zu beantworten. Ziel der Monographie ist daher vielmehr mithilfe unterschiedlicher Ansätze einen möglichst umfassenden Überblick über Erscheinungsformen der (deutschen) Jugendsprache zu präsentieren und zur weiteren Vertiefung der einzelnen Forschungsansätze anzuregen.

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10 Textlinguistik – Jugendsprache in Texten

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Der integrative linguistische Textbegriff, der einen Text definiert als „eine begrenzte Folge von sprachlichen Zeichen, die in sich kohärent ist und die als Ganzes eine erkennbare kommunikative Funktion signalisiert“ (Brinker 2001, 17), bezieht sich in erster Linie auf monologische sprachliche Einheiten, da dialogische Gebilde Gegenstand der Gesprächsforschung sind. Zunächst ist daher festzustellen, ob solche monologischen kommunikativen Einheiten in der Jugendsprache existieren, welche Rolle sie im jugendsprachlichen Varietäten- raum spielen, wie sie sich kategorisieren lassen, welche Funktionen und Strukturen sie aufweisen, und schließlich welcher Art ihre Konstitutions- bedingungen sind. Als erste Orientierung im komplexen Varietätenraum der Jugendsprach- lichkeit erscheint eine Verortung der Texttypologien grundlegend. Dabei sind zunächst einige prinzipielle Gedanken zur Schriftlichkeit in der Jugendsprache vorauszuschicken. Die Jugendsprache entsteht und erneuert sich kontinuierlich als orale Varietät im nähesprachlichen Kontext in Form von Sprechstilen; Schriftlichkeit ist innerhalb der jugendsprachlichen Varietäten ein sekundäres Phänomen. Dennoch nimmt die Verschriftlichung von Jugendsprache einerseits aufgrund der Medienrevolution, die „in vollem Gange und noch längst nicht abgeschlossen“ ist (Schlobinski 2009, 6) und andererseits im Zuge der allgegenwärtigen Etablierung und gesellschaftlich-medialen Absorbierung jugendlicher Sprechstile einen nicht mehr zu übersehenden Raum ein (vgl. Kap. 9). 10.1 Textsorten Bei einer Klassifizierung jugendsprachlicher Textsorten bedarf es zunächst einer Feststellung der zugrunde zu legenden Kriterien, ob also eine textinterne Unterteilung nach strukturellen Kriterien einer textexternen, eher pragmatisch orientierten Zuordnung vorzuziehen oder eine Kategorisierung nach jeweils verwendeten Medien angemessener ist (Blogs, Facebook, Fanzines etc.). Aufgrund der enormen Ausweitung...

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