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Arbeitsfelder der Jugendsprachforschung

Studienbuch für Lehre und Forschung

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Joachim Gerdes

In diesem Band sollen Annäherungen an das Phänomen der deutschen Jugendsprache aus unterschiedlicher Sichtweise vorgenommen werden. Ein solcher multiperspektivischer Ansatz erscheint geeignet, der Vielschichtigkeit und Sperrigkeit des sich einer monosemischen Definition widersetzenden Forschungsgegenstandes hinreichend gerecht zu werden. Jedes der elf Kapitel ist dabei einer linguistischen Teildisziplin verpflichtet, darunter Grammatik, Soziolinguistik, Textlinguistik, Kulturwissenschaft, Sprachkontaktforschung, Sprachwandelforschung und Sprachkritik. Die Frage, ob die Jugendsprache die Substanz der historisch gewachsenen und im Laufe der Kulturgeschichte verfeinerten deutschen Sprache subversiv untergräbt oder ob ihr sprachhistorischer Wert in ihrem enormen sprachschöpferischen Potenzial ruht und sie damit die Vorhut des weder vermeidlichen noch umkehrbaren kontinuierlichen Sprachwandels bildet, ist kaum definitiv zu beantworten. Ziel der Monographie ist daher vielmehr mithilfe unterschiedlicher Ansätze einen möglichst umfassenden Überblick über Erscheinungsformen der (deutschen) Jugendsprache zu präsentieren und zur weiteren Vertiefung der einzelnen Forschungsansätze anzuregen.

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13 Schlussbemerkung

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Die perspektivisch unterschiedlichen Kapitel dieses Bandes haben deutlich gemacht, dass eine definitorische Festlegung oder auch nur eine zu rigide thematische und methodische Engführung dem Phänomen der Jugendsprache kaum gerecht werden können. Die hier angebotenen Ansätze einer interdisziplinären und methodisch facettierten Annäherung an die Jugend- sprache(n) sollen somit weniger ein Kompendium zur Jugendsprache als eine Arbeitsgrundlage für Lehrende und Lernende der Linguistik sein, die zu weiterer, vertiefender Auseinandersetzung mit den Hauptrichtungen der Jugend- sprachforschung einladen soll. Die beiden folgenden Beispiele zeigen, dass die Freude an der hintersinnigen Sprachspielerei, die heute zu den entscheidenden, auch für die Medientauglichkeit maßgeblichen Beliebtheitsfaktoren der Jugendsprache gehört, keinesfalls ein Gegenwartsphänomen ist: Neuland zitiert in ihrer Monographie zur Einführung in die Jugendsprache aus historischen Wörterbüchern der Studentensprache den Begriff „Albertät“ als Verballhornung von „Universität“ (Neuland 2008, 102). Eine vergleichbare Wortschöpfung findet sich in einer satirischen Prosaschrift im ersten Teil des Wandsbecker Boten von Matthias Claudius: Bin auch auf Unverstädten gewesen, und hab auch studiert. Ne, studiert hab ich nicht, aber auf Unverstädten bin ich gewesen, und weiß von allem Bescheid. Ich ward von ohngefähr mit einigen Studenten bekannt, und die haben mir die ganze Unverstädt gewiesen, und mich allenthalben mit hingenommen, auch ins Kollegium. (Claudius 1775 / 1972, 19) „Albertät“ und „Unverstädt“ sind kreative Kontaminationen, wobei Claudius’ Sprachschöpfung besonders vielschichtig ist, da einerseits das Ausgangswort „Universität“ unmittelbar erkennbar bleibt, andererseits die...

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