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Aneignung und Abgrenzung

Studien zur Relativität kultureller Grenzziehungen zwischen der französischen und der deutschsprachigen Literatur im 19. und 20. Jahrhundert

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Edited By Véronique Liard and Bernhard Spies

Die französische und die deutsche Kultur im 19. und 20. Jahrhundert haben gegeneinander nicht den Status eines Anderen, durch dessen Ausgrenzung sich ein Eigenes als exklusive kulturelle Qualität definieren ließe. Die nationalistischen Abgrenzungen, an denen es in der Geschichte nicht fehlt, unterbinden die kulturelle Stimulation über die Landesgrenzen hinweg keineswegs, sondern schließen vielfältige Vorgänge der Aneignung ein. Die Beiträge zu diesem Band studieren solche Vorgänge an im weitesten Sinn literarischen Texten aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Ihre Autorinnen und Autoren sind Germanisten, die als Doktoranden, Dozenten bzw. Professoren an der Université de Bourgogne in Dijon und an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz tätig sind.

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Catherine Dedié: Dieu ne punit pas les fautes d‘ignorance? Motiv, Struktur und Motivierung in Tiecks William Lovell und Rétif de la Bretonnes Paysan perverti

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29 Catherine Dedié (Mainz) Dieu ne punit pas les fautes d‘ignorance? Motiv, Struktur und Motivierung in Tiecks William Lovell und Rétif de la Bretonnes Paysan perverti 1. Zum Verhältnis der Romane: Zwei Sudler mit Genius Im Jahre 1828 gibt Ludwig Tieck sein literarisches Werk in den Schriften neu heraus. Hierfür besorgt er auch eine – gegenüber der Erstfassung zum Teil abge- änderte1 – Neuausgabe seines frühen Romans William Lovell, der erstmals in den Jahren 1795 und 1796 anonym bei Carl August Nicolai in Leipzig und Berlin erschienen war. Im Vorbericht zur zweiten Lieferung schreibt Tieck rückblickend Folgendes über die Entstehungszeit des William Lovell und die bedeutende Rolle, die für diesen Roman eine französische Vorlage spielte: Ein Buch, was jetzt wohl vergessen, oder wenigstens nicht mehr beachtet ist, hatte in jener Zeit meine Zuneigung sehr gewonnen: der paysan perverti von Retif de la Bretonne. Dieser seltsame Mann hatte damals die höchste Stärke seiner Darstellung erreicht, sein Talent hatte sich entwickelt, und er wäre ein merkwürdiger Autor geworden, wenn er nicht Vielschreiber, ja Sudler geblieben wäre, dem verdorbene Phantasie für Begeisterung, und Schmutz und Niedrigkeit für menschliche Natur gelten mußten. Wer vieles von der Bibliothek, die dieser merkwürdige Mann geschrieben hat, kennt, wird auch wissen, daß in den meisten, selbst schlechtesten seiner Bücher, Stellen vorkommen, Gedanken auf- blitzen und Darstellungen erschüttern, die den bessern Genius auch in der Erniedrigung beurkunden.2 Tiecks Worte über das...

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