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Aneignung und Abgrenzung

Studien zur Relativität kultureller Grenzziehungen zwischen der französischen und der deutschsprachigen Literatur im 19. und 20. Jahrhundert

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Edited By Véronique Liard and Bernhard Spies

Die französische und die deutsche Kultur im 19. und 20. Jahrhundert haben gegeneinander nicht den Status eines Anderen, durch dessen Ausgrenzung sich ein Eigenes als exklusive kulturelle Qualität definieren ließe. Die nationalistischen Abgrenzungen, an denen es in der Geschichte nicht fehlt, unterbinden die kulturelle Stimulation über die Landesgrenzen hinweg keineswegs, sondern schließen vielfältige Vorgänge der Aneignung ein. Die Beiträge zu diesem Band studieren solche Vorgänge an im weitesten Sinn literarischen Texten aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Ihre Autorinnen und Autoren sind Germanisten, die als Doktoranden, Dozenten bzw. Professoren an der Université de Bourgogne in Dijon und an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz tätig sind.

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Aglaia Bianchi: Von Venedig zum Venedigbild. Wahrnehmung und Stadtkonstitution bei Thomas Mann und Giuseppe Sinopoli

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81 Aglaia Bianchi (Mainz) Von Venedig zum Venedigbild. Wahrnehmung und Stadtkonstitution bei Thomas Mann und Giuseppe Sinopoli Venedig ist seit je ein beliebter Spielort für literarische Texte dank ihrer einma- ligen Charakteristika: Oft greifen die Autoren auch auf die Symbole und Deu- tungen zurück, die mit der Stadt und ihren Besonderheiten verbunden werden, sodass die Stadt in den Vordergrund rückt und ein texteigenes Venedigbild ent- steht. Das ist der Fall bei Thomas Mann und Giuseppe Sinopoli. Bei beiden Schrift- stellern spielt die Stadt Venedig auf unterschiedliche Weise eine grundlegende Rolle. In Der Tod in Venedig1 ist die Verortung der Geschichte in Venedig wesent- lich für deren Verlauf, wie schon im Titel der Novelle zu ahnen ist. Auch in Sino- polis Parsifal in Venedig2 kann sich die Geschichte, die vom Erzähler erlebt wird, nur in Venedig abspielen: Hier wird die Stadt sogar Protagonistin des essayisti- schen Romans. Aufgrund der wichtigen Rolle, die Venedig in diesen Texten zugeschrieben wird, lohnt es sich, die Thematisierung der Stadt bei Thomas Mann und Giuseppe Sinopoli näher zu betrachten. Dabei wird die Analyse von einigen heuristischen Fragen geleitet. Die Stadt, welche Gustav von Aschenbach im dritten Kapitel der Mannschen Novelle Der Tod in Venedig betritt, ist dem Namen nach dieselbe, die Mann selbst oft gerne besucht hat. Aber stimmt das Venedigbild von der Novelle mit der von Mann besuchten Stadt überein? Ist die Stadt, wo sich Sinopoli in jener Nacht verliert und die ihm zu weitgreifenden Überlegungen inspiriert, die- selbe...

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