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Der Status von «bekommen» + «zu» + Infinitiv zwischen Modalität und semantischer Perspektivierung

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Anne Jäger

Durch Grammatikalisierung entwickeln lexikalische Zeichen zunehmend grammatische Funktionen. So können aus ehemals konkreten Verben schließlich Hilfsverben entstehen. Das deutsche Verb bekommen erfüllt in Verbindung mit Partizipien bereits grammatische Funktion (Stichwort: Rezipientenpassiv). Doch bekommen findet auch mit zu-Infinitiven Verwendung. Aus dem Englischen und anderen Sprachen ist bekannt, dass Verben aus dem Umfeld von bekommen durch die Kombination mit Infinitiven modale Bedeutung – oft im Sinne von Erlaubnis, Möglichkeit oder Notwendigkeit – erlangen können. Aber wie sieht es im Deutschen aus? Eine breit angelegte Korpusanalyse des heutigen Deutschen klärt Verwendungsmuster, Bedeutung und Funktion von bekommen mit zu-Infinitiv und zeigt den Stand der Auxiliarisierung.

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2 Forschungsstand

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2.1 Semantik von bekommen Die semantische Beschreibung von bekommen macht unter anderem eine Ab- grenzung von den übrigen Mitgliedern des Wortfeldes nötig. Dies sind im We- sentlichen kriegen und erhalten. Darüber hinaus ist auch eine Spezifizierung an- gebracht, denn das VALBU (Schumacher et al. 2004:227) und das E-VALBU führen zwei homonyme Verben unter bekommen auf. Unter bekommen I fallen Verwendungen, die das Valenzmuster Nominativ-, Dativ-, Adverbativergän- zung9 aufweisen und sich mit der Bedeutungsperiphrase AUF JEMANDEN/ETWAS EINE IRGENDWIE GEARTETE WIRKUNG HABEN ODER VON JEMANDEM IRGENDWIE VERTRAGEN WERDEN beschreiben lassen (Schumacher et al. 2004:227).10 Ein Beispiel hierfür sind Fälle wie: (5) Mit nüchternem Magen zu trinken bekommt auch der neureichen Lisa Meer- busch nicht. (E 1098.1994 Be) Da der Infinitiv hier dem Subjekt zugerechnet werden muss, entspricht diese Verwendung von bekommen mit zu-Infinitiv nicht dem gewählten Untersu- chungsspektrum. Dies gilt auch für alle anderen Sätze, in denen bekommen die Bedeutung von bekommen I hat. Alle übrigen Gebrauchsweisen des Verbs, welche die Verwendung im be- kommen-Komplex einschließen, fallen unter bekommen II. Insgesamt summie- ren sich die verzeichneten Lesarten auf 18 verschiedene Varianten, die sich hin- sichtlich der Bedeutung und des Gebrauchs voneinander unterscheiden (vgl. Schumacher et al. 2004:227). Die Lesarten für kriegen (Schumacher et al. 2004: 503) und erhalten (Schumacher et al. 2004:339) sind denen von bekommen in vielen Fällen ähnlich oder sogar mit ihnen identisch. Vergleiche:11 9 Schumacher et al. weisen im VALBU...

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