Show Less

Der Status von «bekommen» + «zu» + Infinitiv zwischen Modalität und semantischer Perspektivierung

Series:

Anne Jäger

Durch Grammatikalisierung entwickeln lexikalische Zeichen zunehmend grammatische Funktionen. So können aus ehemals konkreten Verben schließlich Hilfsverben entstehen. Das deutsche Verb bekommen erfüllt in Verbindung mit Partizipien bereits grammatische Funktion (Stichwort: Rezipientenpassiv). Doch bekommen findet auch mit zu-Infinitiven Verwendung. Aus dem Englischen und anderen Sprachen ist bekannt, dass Verben aus dem Umfeld von bekommen durch die Kombination mit Infinitiven modale Bedeutung – oft im Sinne von Erlaubnis, Möglichkeit oder Notwendigkeit – erlangen können. Aber wie sieht es im Deutschen aus? Eine breit angelegte Korpusanalyse des heutigen Deutschen klärt Verwendungsmuster, Bedeutung und Funktion von bekommen mit zu-Infinitiv und zeigt den Stand der Auxiliarisierung.

Prices

See more price optionsHide price options
Show Summary Details
Restricted access

4 Die Wahrnehmungsverben im bekommen- Komplex

Extract

4.1 Semantische Beschreibung 4.1.1 Semantik der Wahrnehmungsverben Um die Bedeutung von bekommen in der Kombination mit dem zu-Infinitiv an- gemessen abschätzen zu können, ist die Berücksichtigung des jeweiligen Infini- tivverbs unumgänglich. Mehr als drei Viertel der Belege, die im DWDS- Kernkorpus in dieser Verbindung auftauchen, beinhalten Wahrnehmungsverben. Insbesondere sehen, hören und spüren sind häufig belegt, so dass ihnen bei der semantischen Beschreibung des bekommen-Komplexes ein besonderer Stellen- wert zukommt. Für eine Abgrenzung der Semantik der Wahrnehmungsverben ist es zu- nächst nötig, sich darüber klar zu werden, was unter Wahrnehmung eigentlich zu verstehen ist. Eine zentrale Rolle nehmen hierbei die fünf Sinne ein: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten werden im Allgemeinen als die fünf Sinne beschrieben, mit denen der Mensch die Welt um sich herum wahrnimmt (vgl. Goldstein 2008). Der typische Wahrnehmungsprozess läuft dabei in mehre- ren aufeinander aufbauenden Stufen ab. Am Anfang steht der Sinneseindruck, der, zunächst noch unspezifisch, das Vorhandensein eines Reizes registriert. Dieser Reiz oder auch Stimulus kann von einer körperexternen oder einer kör- perinternen Quelle ausgehen und wird bei der Wahrnehmung, die auf den Sin- neseindruck und dessen neuronale Verarbeitung folgt, eindeutig mit dieser in Verbindung gebracht. Ist diese Verbindung hergestellt, wird die Quelle des Sti- mulus kognitiv als Auslöser des Sinneseindruckes identifiziert und damit be- wusst erkannt, wodurch der Wahrnehmungsprozess zum Abschluss kommt (vgl. Goldstein 2008:4; Ikegami 2002:335). Zusätzlich zur Wahrnehmung, die mit...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.