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Der Status von «bekommen» + «zu» + Infinitiv zwischen Modalität und semantischer Perspektivierung

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Anne Jäger

Durch Grammatikalisierung entwickeln lexikalische Zeichen zunehmend grammatische Funktionen. So können aus ehemals konkreten Verben schließlich Hilfsverben entstehen. Das deutsche Verb bekommen erfüllt in Verbindung mit Partizipien bereits grammatische Funktion (Stichwort: Rezipientenpassiv). Doch bekommen findet auch mit zu-Infinitiven Verwendung. Aus dem Englischen und anderen Sprachen ist bekannt, dass Verben aus dem Umfeld von bekommen durch die Kombination mit Infinitiven modale Bedeutung – oft im Sinne von Erlaubnis, Möglichkeit oder Notwendigkeit – erlangen können. Aber wie sieht es im Deutschen aus? Eine breit angelegte Korpusanalyse des heutigen Deutschen klärt Verwendungsmuster, Bedeutung und Funktion von bekommen mit zu-Infinitiv und zeigt den Stand der Auxiliarisierung.

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7 Status von bekommen + zu + Infinitiv im Gefüge der deutschen Verbalkategorien

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Das Ziel der Korpusanalyse bestand (1.) in der umfassenden semantischen Be- schreibung des bekommen-Komplexes, um dadurch (2.) die Modalität und (3.) das Ausmaß der Auxiliarisierung von bekommen in der Verbindung mit dem zu- Infinitiv sowie (4.) das Vorhandensein anderer funktionaler Bedeutungen bewer- ten zu können. Da das Paradigma verbaler Modalität im Deutschen im Kern aus den sechs Modalverben dürfen, können, mögen, müssen, sollen und wollen be- steht, bildete der Vergleich mit deren Gebrauchsweisen die Grundlage der Un- tersuchung. Die Auswertung der Korpusdaten erlaubt nun eine Zusammenfas- sung der bislang gewonnenen Erkenntnisse. 7.1 Semantische Beschreibung des bekommen- Komplexes Einige Eigenschaften von bekommen standen bereits vor Beginn der Korpusun- tersuchung fest. Das VALBU (Schumacher et al. 2004:227) und das E-VAL- BU134 listen unter dem Lemma bekommen zwei separate Einträge auf, die mit bekommen I und bekommen II gekennzeichnet sind. Es liegen bei bekommen also zwei Lesarten vor, die sich in ihren Anwendungsbereichen deutlich vonein- ander unterscheiden. Bekommen I kann mit ETWAS (IRGENDWIE) VERTRAGEN um- schrieben werden und lässt sich mit dem zu-Infinitiv nur in Satzform kombinie- ren. Vergleiche: (376) Mit nüchternem Magen zu trinken bekommt auch der neureichen Lisa Meer- busch nicht. (E 1098.1994 Be) Trotz der auf den ersten Blick täuschend ähnlichen Form liegt in (376) kein be- kommen-Komplex aus bekommen und zu-Infinitiv vor. Der zu-Infinitiv ist Teil des Subjektsatzes und bekommen bildet das finite Verb des Hauptsatzes. Dar- über hinaus liegt der einzige Objektsaktant im Dativ vor, wohingegen...

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