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Kinder von 1 bis 6

Bilderbuchrezeption und kognitive Entwicklung

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Marie-Luise Rau

Die Rezeption von Bilderbüchern im Vorschulalter ist Bestandteil eines intensiven Entwicklungs- und Lernprozesses. Die Einteilung von Bilderbüchern in verschiedene Unterarten ermöglicht es, die jeweilige Wirkung auf die kindlichen Rezipienten, deren sprachliche und kognitive Fähigkeiten wie auch deren Interessen präzise zu bestimmen. Die Studie will zeigen, wie Bilderbücher der unterschiedlichsten Art die Herausbildung von Raum- und Zeitkonzepten stimulieren und die Bildung eines Ich-Konzepts anstoßen können. Darüber hinaus werden Bilderbücher hinsichtlich ihrer narrativen Strukturen wie ihrer Themen zur Erwachsenenliteratur in Beziehung gesetzt. Es wird die besondere Fähigkeit von Bildern herausgestellt, komplexe Botschaften verständlich und differenziert zu übermitteln. Weitere Gegenstände dieser Studie sind das dialogische Vorlesen, die Bezüge zu Spiel und zum Erzählen, die Bedeutung von Tiercharakteren wie ein Vergleich von Bilderbuchgeschichten und Märchen.

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7. Tiercharaktere und Natur in Bilderbuchgeschichten

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Forschung auf dem Gebiet der naiven Biologie und Psychologie Die Fragen, warum so oft Tiere die Protagonisten in Bilderbüchern sind und in welcher Weise sie personifiziert werden, fand bislang im Rahmen von Bilderbuch- untersuchungen wenig Aufmerksamkeit. Das Verhältnis zu Tieren und im wei- teren Sinne zur Natur soll im Folgenden von zwei Seiten betrachtet werden, aus der Sicht der naiven Biologie und der Psychologie, um danach zu beurteilen, wie Bilderbuchgeschichten sich hier einfügen. Beide Forschungsrichtungen beziehen Bilderbücher nicht mit ein. Einen Überblick über die jeweilige Forschung geben im Bereich Biologie Kayoko Inagaki und Giyoo Hatano in ihrem Buch Young chil- dren‘s naive thinking about the biological world (2002) und im Bereich Psycholo- gie Peter H. Kahn, Jr. in seinem Aufsatz „Nature and Moral Development“ (2006). Jean Piaget ging noch davon aus, dass sich die kognitive Entwicklung in Stufen vollzieht und Fortschritte im Denken alle Bereiche betreffen. Zu seiner zentralen Vorstellung von Egozentrismus gehörte auch das animistische Denken, aufgrund dessen Kinder bis zum Alter von sieben oder acht Jahren zwischen belebt und unbelebt nicht unterscheiden (Piaget 1975: 316ff.). Heute richtet sich der Blick auf den Inhalt. Man spricht von drei Kerndomänen, in denen Kinder – evolutionär bedingt – früh Relationen verstehen bzw. Fähigkeiten erwerben: naive Physik, naive Psychologie und naive Biologie (Wellman & Gelman 1992). Babys wissen beispielsweise, dass Gegenstände, wenn sie aus ihrem Sichtfeld entschwinden, existent bleiben, sie erwerben früh die Fähigkeit, sich in andere hineinzuverset- zen, in deren W...

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