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Autarke Kommunikation

Wissenstransfer in Zeiten von Fundamentalismen

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Edited By Matthias Ballod and Tilo Weber

Die Vielfalt der Kommunikationsformen und -anlässe in modernen Gesellschaften beinhaltet Chancen und Risiken gleichermaßen. Kommunikation lässt sich offenbar weder im Schriftlichen noch im Mündlichen beliebig beschleunigen oder verdichten. Eine mögliche Reaktion auf diese Überforderungen ist die Sehnsucht nach radikaler Komplexitätsreduktion – bis hin zur Flucht in Fundamentalismen, die ihrerseits neue Ängste heraufbeschwören. Wie können wir Phänomenen der Unerreichbarkeit kommunikationswissenschaftlich gerecht werden? In welchen gesellschaftlichen Domänen lassen sich Phänomene der kommunikativen Unerreichbarkeit beobachten? Welche Strategien zur Überwindung kommunikativer Unerreichbarkeit werden in der Praxis angewandt? Der Band versammelt Beiträge zum 8. Kolloquium «Transferwissenschaften», die sich aus unterschiedlichen Perspektiven den Problemen kommunikativer Autarkie nähern.

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Kommunikative Unerreichbarkeit und autarke Kommunikation

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Matthias Ballod (Halle) / Tilo Weber (Halle/Liberec) Fragt man danach, was moderne Wissensgesellschaften in einer sich mehr und mehr global vernetzenden Welt auszeichnet, dann scheint die folgende Diagnose wohl konsensfähig: Viele erleben die anwachsende Komplexität individueller und gesellschaftlicher Herausforderungen als Überkomplexität, fühlen sich da- von überfordert und suchen Auswege in unterkomplexen Gewissheitsangeboten. Komplexitätsreduktion ermöglicht dem Einzelnen die effiziente Bewälti- gung komplexer Situationen und erleichtert deren mentale und praktische Verar- beitung. Dazu werden bestimmte Wahrnehmungen ausgeblendet oder Typisie- rungen und Verallgemeinerungen vorgenommen. Ohne die Fähigkeit der Sub- sumption von Einzelfällen unter bestimmte Typen sind wir nicht in der Lage, Neues zu lernen oder unseren Alltag zu bewältigen. Das bedeutet, dass jeder Mensch sich fortwährend gegenüber Neuem abschirmt, wenn Unbekanntes zu Unsicherheit führen würde. Eine gewisse Konstanz erzeugt Sicherheit, Verläss- lichkeit, und nur allzu gern greifen wir daher auf vertraute Schemata und liebge- wonnene Gewohnheiten zurück. Mit Komplexitätsreduktion begegnen wir also dem realen oder gefühlten Schwund von „Komfortzonen“ in unserer Umwelt. Von Unterkomplexität sprechen wir in diesem Sammelband, wenn diese Reduk- tion in einem Maß erfolgt, das sozial negative Folgen nach sich zieht. Wer etwa im Verhältnis zu anderen nur Freunde oder Feinde kennt, wird sich möglicher- weise „falschen Freunden“ anvertrauen; oder er wird Verhaltensweise als be- drohlich oder aggressiv empfinden, die sich gar nicht gegen ihn richten, und ent- sprechend leicht überreagieren. Unterkomplexität entsteht in gesellschaftlichen Diskursen u.a. dann,...

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