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Ukrainistik in Europa

Historische Entwicklung und gegenwärtiger Stand

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Helmut Schaller

Die ersten Anfänge wissenschaftlicher Betrachtung der Ukraine gehen bereits auf das 19. Jahrhundert zurück, politisch bedingt jedoch kann erst nach dem Ersten Weltkrieg von einer Ukrainistik in Prag, Berlin und nach dem Zweiten Weltkrieg in München gesprochen werden. Die Darstellung der europäischen Ukrainistik in diesem Buch hat die Entwicklung dieses Teilgebietes der Slawistik für Deutschland und Europa, in Ausblicken auch für Nordamerika und Australien zum Ziel. Der Arbeit liegt eine umfangreiche Primär- und Sekundärliteratur zu Grunde, einbezogen wurden auch Archivmaterialien aus Berlin und München. Im Ergebnis zeigt sich ein umfassendes Bild nicht nur ukrainistischer Forschung, sondern auch der Lehre an mitteleuropäischen Universitäten. Trotz aller Förderung seit dem Jahre 1990 ist zu befürchten, dass mit den Beschränkungen der Osteuropa-Forschung auch die Ukrainistik nach einer kurzen Blütezeit wieder in den Hintergrund gedrängt wird.

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II. Das Bild der Ukraine in Europa bis zum Ende des 19. Jahrhunderts.

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Im Journal seiner Reise im Jahre 1769 hatte sich der international bekannte Schriftsteller und Theologe Johann Gottfried Herder (1744–1803) begeistert über die Ukraine mit den folgenden Sätzen geäußert: „Die Ukraine wird ein neues Griechenland werden, der schöne Himmel dieses Volkes, ihr lustiges Wesen, ihre musikalische Natur, ihr fruchtbares Land usw. werden einmal aufwachen; aus so vielen kleinen wilden Völkern, wie es die Griechen vormals auch waren, wird eine gesittete Nation werden; ihre Grenzen werden sich bis zum Schwarzen Meer hin erstrecken und von da hinaus durch die Welt.“32 Herder sollte Recht behal- ten, doch dauerte es noch etwa zweieinhalb Jahrhunderte, bis heute endlich die Ukraine, ihre Sprache, Literatur und Kultur auch wirklich im übrigen Europa wahrgenommen wurden. Herder beeinflusste mit seinen „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit“ unter anderem den jungen Goethe, begründete mit seinen „Stimmen der Völker in Liedern“ das Verständnis für die Eigenart anderer Nationalkulturen, somit auch der Ukrainer. Die Ukraine wurde sowohl im 18. als auch im 19. Jahrhundert in den europäi- schen Ländern wahrgenommen, wobei sich aber keine kontinuierliche Entwick- lung einer „Ukrainekunde“ oder einer „Ukrainistik“ im heutigen Sinne feststel- len lässt33. Die Bezeichnung „Ukraine“ findet sich 1706 im „Realen Staats- und Zeitungslexikon“34, in der deutschen Ausgabe des französischen Lexikons „Dictionnaire Géographique et Critique“ (von Bryzen de Martinière) des Jahres 1744 findet sich sogar bereits ein Artikel über die Ukraine35, ferner wurde 1746 auch im „Großen...

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