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Ukrainistik in Europa

Historische Entwicklung und gegenwärtiger Stand

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Helmut Schaller

Die ersten Anfänge wissenschaftlicher Betrachtung der Ukraine gehen bereits auf das 19. Jahrhundert zurück, politisch bedingt jedoch kann erst nach dem Ersten Weltkrieg von einer Ukrainistik in Prag, Berlin und nach dem Zweiten Weltkrieg in München gesprochen werden. Die Darstellung der europäischen Ukrainistik in diesem Buch hat die Entwicklung dieses Teilgebietes der Slawistik für Deutschland und Europa, in Ausblicken auch für Nordamerika und Australien zum Ziel. Der Arbeit liegt eine umfangreiche Primär- und Sekundärliteratur zu Grunde, einbezogen wurden auch Archivmaterialien aus Berlin und München. Im Ergebnis zeigt sich ein umfassendes Bild nicht nur ukrainistischer Forschung, sondern auch der Lehre an mitteleuropäischen Universitäten. Trotz aller Förderung seit dem Jahre 1990 ist zu befürchten, dass mit den Beschränkungen der Osteuropa-Forschung auch die Ukrainistik nach einer kurzen Blütezeit wieder in den Hintergrund gedrängt wird.

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IV. Die Ukrainistik in Deutschland vor und während des II. Weltkrieges

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. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Ukraine in Deutschland zunächst aus politischer Sicht wahrgenommen. Hiervon zeugt ein in zwei Teilen in der „Frankfurter Zeitung“ 1919 erschienener Beitrag „Deutschlands Ukraine- politik“ des aus Livland stammenden Juristen Paul Schiemann (1876–1944)141, wo dieser ausführte: „Ein Staat kann dem andern seine Hochachtung und Freundschaft nur dadurch bezeugen, dass er sich streng an den Grundsatz der Nichteinmischung in alle innerpolitischen Verhältnisse hält. Indem die offizielle deutsche Politik sich zu diesem Grundsatze bekannte und die militärische Besetzung lediglich als eine der ukrainischen Regierung zur Verfügung gestellte Ordnungsmacht auf- gefasst wissen wollte, stellte sie sich in durchaus loyaler Form auf den Boden der Anerkennung eines selbständigen ukrainischen Staates. Leider ließ sie sich praktisch nur allzu bald in das Spiel der örtlichen Parteien hineinziehen. Es muss zugegeben werden, dass eine Zurückhaltung nicht leicht war.“142 Zum Leben in dem neuen ukrainischen Staat schreibt der Autor in seinen Aus- führungen weiter: „Der erste Eindruck, den ein dem ukrainischen Leben Fremder, namentlich in den Städten empfängt, ist der einer rein russischen Kultur mit polnischen, deut- schen und jüdischen Einschlägen. Die Oberschicht hat sich seit langem völlig in das russische Leben eingewöhnt, und ihr „Kleinrussentum“ geht nicht über den Rahmen des Lokalpatriotismus mit einigen historischen Reminiszensen hinaus. Ihr Dichter ist Gogol und nicht Schewtschenko. Die ganze höhere Beamtenschaft, 141 Paul Schiemann aus Kurland wurde im Jahre 1902 von der Juristischen Fakult...

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