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Ukrainistik in Europa

Historische Entwicklung und gegenwärtiger Stand

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Helmut Schaller

Die ersten Anfänge wissenschaftlicher Betrachtung der Ukraine gehen bereits auf das 19. Jahrhundert zurück, politisch bedingt jedoch kann erst nach dem Ersten Weltkrieg von einer Ukrainistik in Prag, Berlin und nach dem Zweiten Weltkrieg in München gesprochen werden. Die Darstellung der europäischen Ukrainistik in diesem Buch hat die Entwicklung dieses Teilgebietes der Slawistik für Deutschland und Europa, in Ausblicken auch für Nordamerika und Australien zum Ziel. Der Arbeit liegt eine umfangreiche Primär- und Sekundärliteratur zu Grunde, einbezogen wurden auch Archivmaterialien aus Berlin und München. Im Ergebnis zeigt sich ein umfassendes Bild nicht nur ukrainistischer Forschung, sondern auch der Lehre an mitteleuropäischen Universitäten. Trotz aller Förderung seit dem Jahre 1990 ist zu befürchten, dass mit den Beschränkungen der Osteuropa-Forschung auch die Ukrainistik nach einer kurzen Blütezeit wieder in den Hintergrund gedrängt wird.

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VII. Ausblick: Ukrainistik in Nordamerika und Australien.

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In der Mitte des 19. Jahrhunderts bildeten sich kleinere und größere ukrainische Kolonien in den USA, in Kanada, in Brasilien, Argentinien, in Europa in Ungarn und Kroatien. Im Jahre 1926 hielten sich in Moskau mehr als 16.000 und in Lenin- grad mehr als 10.000 Ukrainer auf. Die ukrainischen Emigranten in den überseei- schen Gebieten kamen vor allem aus den Gebieten der unter österreichisch-unga- rischer Verwaltung stehenden westukrainischen Gebiete. In die Städte der USA, so Pennsylvania, New York und New Jersey, waren insgesamt 700.000 Ukrainer eingewandert, deren nationales Leben sich vor allem im Umfeld von 250 nationalen Kirchen entwickelte. Mehrere Hilfsorganisationen, so ein ukrainischer Volksver- band und ein ukrainischer Arbeiterverband verfügten über ein eigenes Vermögen um wirtschaftliche Hilfe leisten zu können. Zugleich enstand ein eigenes Schulwe- sen und eine eigene Presse. Nach Kanada kamen gegen Ende des 19. Jahrhunderts vor allem Ukrainer aus Galizien und der Bukowina, wo sie sich als Farmer in den Provinzen Manitoba, Saskatschewan und Alberta niederließen. Mit einer Gesamt- zahl von 400.000 Siedlern bildeten die Ukrainer in Kanada bereits vor dem Zweiten Weltkrieg die drittgrößte Volksgruppe, nach den Engländern und Franzosen noch vor den Deutschen. Ungefähr 80.000 ukrainische Emigranten aus Galizien lebten vor dem Zweiten Weltkrieg in verschiedenen brasilianischen Provinzen, in Argen- tinien betrug damals die Zahl der ukrainischen Siedler dagegen nur etwa 20.000. Sowohl in Nordamerika als auch in Südamerika waren eigene Kirchen, Schulen und Presse die wichtigsten kulturellen Faktoren im Leben der ukrainischen Emigration. Im...

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