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Georg Baselitz und der Neue Typ

Die frühen Werke- Auf dem Weg zu einem neuen Menschenbild

Reinhard Herz

Ziel dieser Untersuchung ist es, das frühe Œuvre von Georg Baselitz systematisch und umfassend zu erkunden – als Voraussetzung für alle späteren Entwicklungen bis hin zur Motivumkehr. In den frühen 60er Jahren entwickelt der Künstler in Westberlin aus informellen Anfängen heraus eine neue gegenständliche Figuration. Auf dem Weg zur Formung eines neuen Menschenbildes setzt er der Abstraktion eine strikt anthropomorph ausgerichtete Figuration entgegen, deren wichtigstes Kennzeichen die Verknüpfung von informellen Elementen und naturgegebener Körperform in einer männlichen Einzelfigur ist. Rückblickend lassen sich zwischen 1958 und 1966 Werkphasen abgrenzen, die mit der Darstellung von Köpfen, Torsi, einer sich aufrichtenden Gestalt und dem Auftreten eines scheinbar uniformierten Neuen Typs die allmähliche Rückgewinnung der menschlichen Gestalt aus ihrer informellen Auflösung zeigen.

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1 Einführung und Fragestellung

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Nach dem Zweiten Weltkrieg führt die Konfrontation zwischen demokratisch verfassten westlichen und diktatorisch geführten sozialistischen Ländern im Osten zu einer fast alle Lebensbereiche durchdringenden Polarisierung, die auch im Bereich der bildenden Kunst einen Wettbewerb der Systeme auslöst. Im Westen wird die entscheidende Frage nach dem richtigen Menschenbild in den ersten Nachkriegsjahren mit der (auch politisch geförderten) Internationalen Abstraktion beantwortet und der geforderten Idealisierung gegenständlich-figurativer Darstellungen im Sozialistischen Realismus entgegengesetzt. Im geteilten Deutschland resultieren daraus politische und künstlerische Festlegungen, die sich besonders in West-Berlin an der Grenze zum östlichen Machtbereich offenbaren. Als Reaktion auf die künstlerischen Festschreibungen entwickeln junge Künstler in West- Berlin, aber auch regional im Rheinland, in München und Hamburg in den frühen 60er Jahren Formen einer neuen figurativen Malerei, die sich vom allgemeinen Diktum des vorherrschenden abstrakten Expressionismus, von Tachismus und Informel absetzen. Der sich künstlerisch und politisch als heimatlos empfindende Georg Baselitz kann als ein besonderer Exponent dieser neuen Entwicklung betrachtet werden, weil er sich als Kunststudent mit der sozialistischen Doktrin in der DDR ebenso auseinandersetzen musste, wie nach seinem Wechsel nach West-Berlin mit der hier dominierenden informellen Malerei. Neben anderen bildenden Künstlern seiner Generation sucht Baselitz nach neuen figurativen Ausdrucksformen, auch um die besondere deutsche Situation der unmittelbar zurückliegenden Kriegs- und Nachkriegszeit künstlerisch zu reflektieren. Vor diesem Hintergrund gilt es, das Frühwerk von Georg Baselitz zum ersten Mal erschöpfend in Augenschein zu nehmen, um darin sowohl die Genese eines...

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