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Georg Baselitz und der Neue Typ

Die frühen Werke- Auf dem Weg zu einem neuen Menschenbild

Reinhard Herz

Ziel dieser Untersuchung ist es, das frühe Œuvre von Georg Baselitz systematisch und umfassend zu erkunden – als Voraussetzung für alle späteren Entwicklungen bis hin zur Motivumkehr. In den frühen 60er Jahren entwickelt der Künstler in Westberlin aus informellen Anfängen heraus eine neue gegenständliche Figuration. Auf dem Weg zur Formung eines neuen Menschenbildes setzt er der Abstraktion eine strikt anthropomorph ausgerichtete Figuration entgegen, deren wichtigstes Kennzeichen die Verknüpfung von informellen Elementen und naturgegebener Körperform in einer männlichen Einzelfigur ist. Rückblickend lassen sich zwischen 1958 und 1966 Werkphasen abgrenzen, die mit der Darstellung von Köpfen, Torsi, einer sich aufrichtenden Gestalt und dem Auftreten eines scheinbar uniformierten Neuen Typs die allmähliche Rückgewinnung der menschlichen Gestalt aus ihrer informellen Auflösung zeigen.

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3 Künstlerische Bedingungen

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3.1 Situation bildender Künstler im Westen 3.1.1 Erste Nachkriegsjahre In den Jahren unmittelbar nach dem 1.Weltkrieg hatte sich mit der DADA-Bewegung und den Bauhaus-Künstlern und später mit Surrealismus und Neuer Sachlichkeit, um nur die wichtigsten Strömungen zu nennen, schnell eine kritische, innovative und inter- national anerkannte Kunstszene in Deutschland etabliert. Obwohl vom Ausland erhofft, ließ sich eine solche Entwicklung nach 1945 aus den ver- schiedensten Gründen nicht wiederholen. Viele bedeutende Künstler hatten emigrieren müssen und blieben dem Deutschland der Nachkriegszeit zumindest in den ersten Jahren fern. Andere fanden erst nach Kriegsteilnahme und Gefangenschaft ebenso wie die inner- lich emigrierten Künstler nur zögerlich zurück zu ihrer Arbeit und anfänglich auch nur regional zu Gesprächen und Ausstellungen zusammen – die materielle Not und die un- geheuren Zerstörungen der Städte schienen ebenso unüberwindlich wie die Frage, welche neuen künstlerischen Wege beschritten werden sollten. Die Reaktionen der Künstler reichten von Bemühungen, an ihr Werk aus der Zeit vor dem Nationalsozialismus anzuknüpfen, zu Überlegungen, 1945 als Stunde Null für ei- nen völligen Neubeginn anzusehen, bis hin zu der resignierten Frage der Kunstkritiker, „[…]ob in der Vollständigkeit des Zusammenbruches und der Zerstörung nicht auch die tiefere Gemeinsamkeit der schöpferischen Kräfte vernichtet worden sei, aus der die west- liche Kultur und Kunst überhaupt möglich geworden waren“1 und „[…] ob es noch Kunst gibt und ob sich in absehbarer Zeit Voraussetzungen für...

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