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Georg Baselitz und der Neue Typ

Die frühen Werke- Auf dem Weg zu einem neuen Menschenbild

Reinhard Herz

Ziel dieser Untersuchung ist es, das frühe Œuvre von Georg Baselitz systematisch und umfassend zu erkunden – als Voraussetzung für alle späteren Entwicklungen bis hin zur Motivumkehr. In den frühen 60er Jahren entwickelt der Künstler in Westberlin aus informellen Anfängen heraus eine neue gegenständliche Figuration. Auf dem Weg zur Formung eines neuen Menschenbildes setzt er der Abstraktion eine strikt anthropomorph ausgerichtete Figuration entgegen, deren wichtigstes Kennzeichen die Verknüpfung von informellen Elementen und naturgegebener Körperform in einer männlichen Einzelfigur ist. Rückblickend lassen sich zwischen 1958 und 1966 Werkphasen abgrenzen, die mit der Darstellung von Köpfen, Torsi, einer sich aufrichtenden Gestalt und dem Auftreten eines scheinbar uniformierten Neuen Typs die allmähliche Rückgewinnung der menschlichen Gestalt aus ihrer informellen Auflösung zeigen.

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12 Körperfragmente und anthropomorphe Konstrukte 1963-65

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Überblickt man das bisherige Werk von den informellen Anfängen 1958 bis 1963, könnte man die allmähliche Rückgewinnung der vollständigen menschlichen Gestalt aus ihrer informellen Zerlegung als wichtigsten Entwicklungsstrang des bisherigen Oeuvres ansehen. Ausgehend von den ersten Kopf- und Antlitz-Variationen 1958 und 1959 und der Serie der Rayski-Portraits im Jahre 1960, entwickelt Baselitz beginnend mit dem Plakat des Pandämonischen Manifests II ab Frühjahr 1962 sukzessiv eine sich aufrichtende Gestalt, die in dem sexuell provozierend gemalten Protagonisten der Arbeiten zum Topos der Gro- ßen Nacht im Eimer ihren ersten Höhepunkt erreicht. Es erscheint nur konsequent, sich die Entstehung der Werkgruppe der Neuer Typ- und Helden-Bilder viel früher, gewisserma- ßen im Anschluss an die o.g. Arbeiten vorzustellen. Anders formuliert – lässt sich nachvoll- ziehen und gegebenenfalls begründen, warum Baselitz seine Energie zwischen 1963 und 1965 weitgehend auf Arbeiten mit Körperfragmenten und anthropomorphen Konstruk- tionen konzentriert, um sie 1965 zugunsten der menschlichen Gestalt wieder aufzuge- ben? Der Zeitabschnitt von Ende 1963 bis etwa Mitte 1965 erscheint im Rückblick als expe- rimentelles Bindeglied zwischen den Arbeiten, die den Pandämonischen Manifesten und dem Thema der großen Nacht im Eimer einerseits und dem Beginn der Bildkategorie der Neuer Typ- und Helden-Bilder andererseits gewidmet sind. Im Rahmen eines radikal anthropolo- gischen Ansatzes vergewissert sich Baselitz in diesem Zeitraum der Ausdrucksmöglichkei- ten, die sowohl isolierte Körperfragmente, als auch das synthetische Zusammenfügen von Körperteilen bieten. Er verwirft jegliche weitere gestalterische Möglichkeit...

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