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Georg Baselitz und der Neue Typ

Die frühen Werke- Auf dem Weg zu einem neuen Menschenbild

Reinhard Herz

Ziel dieser Untersuchung ist es, das frühe Œuvre von Georg Baselitz systematisch und umfassend zu erkunden – als Voraussetzung für alle späteren Entwicklungen bis hin zur Motivumkehr. In den frühen 60er Jahren entwickelt der Künstler in Westberlin aus informellen Anfängen heraus eine neue gegenständliche Figuration. Auf dem Weg zur Formung eines neuen Menschenbildes setzt er der Abstraktion eine strikt anthropomorph ausgerichtete Figuration entgegen, deren wichtigstes Kennzeichen die Verknüpfung von informellen Elementen und naturgegebener Körperform in einer männlichen Einzelfigur ist. Rückblickend lassen sich zwischen 1958 und 1966 Werkphasen abgrenzen, die mit der Darstellung von Köpfen, Torsi, einer sich aufrichtenden Gestalt und dem Auftreten eines scheinbar uniformierten Neuen Typs die allmähliche Rückgewinnung der menschlichen Gestalt aus ihrer informellen Auflösung zeigen.

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13 Weibliche Figuration

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Die Rolle der weiblichen Figuration als einen Topos der Körperfragmente zu untersu- chen, mag ungewöhnlich erscheinen. Wie eben erwähnt, lässt sich aber zeigen, dass das weibliche Element anfänglich nur bruchstückhaft in kleinen Zeichnungen erkennbar wird und auch die späteren, größeren Zeichnungen und Gemälde des Zeitraums bis 1965 die unvollständige, imaginativ zu ergänzende Form des Fragments beibehalten. Vor der Umkehrung der Motive widmet der Künstler nur wenige Arbeiten der Dar- stellung von Frauen bzw. weiblichen Motiven. Sieht man von den Bildern mit Körper- fragmenten und Sujets ab, die nicht personenbezogenen sind, gilt seine Aufmerksamkeit in der Dekade bis 1969 weit überwiegend der Figuration eines jugendlichen Mannes – wie die Aufstellung und Abbildung von Werken in Katalogen großer Museumsausstel- lungen in Basel279, München280, Frankfurt281, Berlin282 und London283 während der zu- rückliegenden vier Jahrzehnte zeigen. Trotz dieser Konzentration auf die männliche Gestalt beschäftigt sich Baselitz von Be- ginn an mit Facetten der weiblichen Figuration. Chronologisch betrachtet, entstehen zuerst Figurationen, bei denen sich männliche und weibliche Anteile ergänzen oder in- einander verschränken, während später verzerrte, disproportionierte weibliche Figuren mit Peitschen ausgestattet oder mit symbolischen Gerätschaften umgeben werden, die sie als Träger allegorischer Funktionen erscheinen lassen. Diese Haltung ändert sich schlagartig mit der Motivumkehr – nun zeichnet und malt Baselitz auch Frauen, deren Gestaltung sich nicht mehr von der Formgebung des männ- lichen Personals der Bilder unterscheidet. Im Portrait, als...

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