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Entschuldigung und Entschuldigungsannahme im Täter-Opfer-Ausgleich

Eine soziolinguistische Untersuchung zu Gesprächsstrukturen und Spracheinstellungen

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Gabriele Klocke

Die interdisziplinär angelegte Studie verbindet ein sprachwissenschaftliches mit einem strafrechtlichen Erkenntnisinteresse: So werden aus sprachwissenschaftlicher Perspektive Entschuldigungs- und Entschuldigungsannahmehandlungen als spezifische Rituale in einem strafrechtlich relevanten Kontext, nämlich dem Täter-Opfer-Ausgleich untersucht. Die Autorin spürt dabei theoretisch wie empirisch der sprachlichen Form dieses Rituals, seiner gesprächsorganisatorischen Lokalisierung sowie seiner pragmatischen Organisation als Sprechaktsequenz nach. Die entsprechenden Befunde werden strafrechtlich gerahmt: So zeigt die Autorin, in welche diskursiven Prozesse Entschuldigung und Entschuldigungsannahme im Rahmen des Täter-Opfer-Ausgleichs eingebettet sind, d.h. ob die Durchführung dieses Rituals von den Mediatoren der Ausgleichsgespräche als Erfolgskriterium betrachtet wird und inwiefern sein Gelingen von der Sprachkompetenz aller Beteiligten abhängt.

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1. Einleitung

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Der Täter-Opfer-Ausgleich (TOA) ist ein strafrechtlich veranlasstes Schlich- tungsverfahren, bei dem die am Konflikt Beteiligten in einem außergerichtlichen und informellen Gespräch unter Begleitung eines Mediators die materielle und immaterielle Wiedergutmachung des Schadens aushandeln. Hier findet der sprachliche Austausch in einem institutionalisierten Rahmen in vorstrukturierter Weise statt. Daher ist der TOA für die deutsche Sprachwissenschaft ein interes- santer Forschungsgegenstand. Das Hauptaugenmerk der vorliegenden Arbeit richtet sich auf die sprachliche Form und Sequenzierung von Entschuldigung und Entschuldigungsannahme als den zwei wesentlichen Sprechakten des TOA- Gesprächs.1 Mittels sprachkritischer und straftheoretischer Überlegungen soll der pönologische Status der strafrechtlich gerahmten Entschuldigung genauer bestimmt werden. Meine Ausführungen gliedern sich in vier Hauptteile: Im theoretischen Teil wird eine interdisziplinäre Verknüpfung der strafrecht- lich motivierten Erkenntnisziele mit dem einschlägigen Wissensbestand der lin- guistischen Entschuldigungsforschung vorgenommen. Dabei werden zunächst der Täter-Opfer-Ausgleich wie auch das Ausgleichs- instrument Entschuldigung in ihrer strafrechtssystematischen Verortung, ihrer strafrechtspraktischen Anwendung und in ihrer kriminologischen Bewertung erläutert. Dieser den Begründungszusammenhang etablierende nicht- germanistische Einführungsteil mündet in eine Liste forschungsleitender Frage- stellungen, die sich an das Fachgebiet der deutschen und allgemeinen Sprach- wissenschaft richten. Im Zentrum steht dabei folgender Fragenkomplex: Wie gestaltet sich die sprachliche Realisierung der täterseitigen Entschuldigung und deren opferseitiger Annahme in der TOA-Praxis? Hängt der Erfolg des TOA- Verfahrens vom Vollzug des Entschuldigungsrituals ab? Wie begleiten Mediato- ren2 den sprachlichen Vollzug des Entschuldigungsrituals? Ergeben sich hieraus besondere Anforderungen an die Sprachkultiviertheit der einzelnen Medianten? 1 Gem...

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