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Das Kinderzimmer

Eine empirische Analyse verräumlichter Programme der Kindheit

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Heidi Jörges

Die Studie nimmt eine Untersuchung des Kinderzimmers als einen Herstellungs- und Reproduktionsmodus sozialer Ungleichheit vor. Es wird davon ausgegangen, dass zeittypische Semantiken der Kindheit (und des Raumes) nicht nur generelle Verräumlichungen und Platzierungen der Kindheit bewirken, sondern dass sich spezifische Programme und Kalküle der Verortung von Kindheit aufdecken lassen, die deutlich mit dem sozialen Status der Eltern verbunden sind. Es wird angenommen, dass das Zusammenspiel der Kalküle, welche Eltern mit dem Zimmer für ihr Kind verbinden, und der Bedeutungszuschreibungen an das eigene Zimmer durch die Kinder je nach soziostrukturellem Hintergrund der Familien variiert. Ziel der Untersuchung ist es, diese konkreten Formen des Zusammenwirkens als Verräumlichungsprogramme der Kindheit empirisch aufzudecken.

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1. Einleitung: „The proper place“: Das Kinderzimmer und die Ordnung der Kindheit

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9 1. Einleitung: „The proper place“: Das Kinder- zimmer und die Ordnung der Kindheit Das Kinderzimmer gilt in Mitteleuropa als Selbstverständlichkeit. Seine Hervorbringung ist eng verschränkt mit der Entwicklung des Bürgertums in der industriellen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts, der zunehmenden Urbanisierung und den damit einsetzenden tief greifenden Umwälzungen der familialen Wohnstätten (Renonciat 1994: 150ff.; Weber-Kellermann 1979, 1991a, 1996; Häußermann/Siebel 2000; Perrot/Guerrand 1994; Lange 1996a: 270f.; Fölling- Albers/Hopf 1995; Behnken 2006; Behnken et al. 1988; Zinnecker 2001). Für Kinder stellt das eigene Zimmer idealtypisch einen Raum dar, in dem sie Autonomie exponieren und Privatheit in ihren Spielarten zelebrieren. Es ist ein Raum, in dem das Kind seine Dinge, Accessoires und Erinnerungsstücke aufbewahrt, die immer auf soziale Teilhabe verweisen. Es ist zudem ein Raum des Rückzugs, durch den sich das Kind dem Zugriff der Eltern entziehen, sich erfinden und reflektieren kann. Es ist dies ein Ort, in dem sich das „Arsenal gelebter wie ungelebter Dinge“ (Elias 1991: 175) fortschreibt und niederschlägt. Vor allem ist das Kinderzimmer ein spezieller, separater Raum, der dem sich entwickelnden Kind nach Maßgabe seiner Bedürfnisse und den Erfordernissen seiner Erziehung zugedacht wird. Das Kinderzimmer der Gegenwart kann als Gradmesser für die „Wichtigkeit“ von Kindern deklariert werden: Eltern binden unterschiedliche, mehr oder weniger erzieherische Intentionen an das Kinderzimmer. Die vorliegende Dissertationsarbeit konstruiert für solche raumbezogenen Intentionen den Begriff „verräumlichte Bearbeitungskalküle“ und begründet dies durch einen historischen Rückgriff auf die...

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