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Das Kinderzimmer

Eine empirische Analyse verräumlichter Programme der Kindheit

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Heidi Jörges

Die Studie nimmt eine Untersuchung des Kinderzimmers als einen Herstellungs- und Reproduktionsmodus sozialer Ungleichheit vor. Es wird davon ausgegangen, dass zeittypische Semantiken der Kindheit (und des Raumes) nicht nur generelle Verräumlichungen und Platzierungen der Kindheit bewirken, sondern dass sich spezifische Programme und Kalküle der Verortung von Kindheit aufdecken lassen, die deutlich mit dem sozialen Status der Eltern verbunden sind. Es wird angenommen, dass das Zusammenspiel der Kalküle, welche Eltern mit dem Zimmer für ihr Kind verbinden, und der Bedeutungszuschreibungen an das eigene Zimmer durch die Kinder je nach soziostrukturellem Hintergrund der Familien variiert. Ziel der Untersuchung ist es, diese konkreten Formen des Zusammenwirkens als Verräumlichungsprogramme der Kindheit empirisch aufzudecken.

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3. Das Kinderzimmer und die soziale Ordnung: gesellschaftstheoretische und ideengeschichtliche Betrachtungen

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Die folgenden theoretischen Betrachtungen dienen der Entwicklung einer theoretisch verankerten Sichtapparatur für die Durchsicht der qualitativen Familieninterviews des Kinderzimmers. Hierbei soll es darum gehen, die analytischen Voreinstellungen auf das Kinderzimmer zu generieren, die sich aus der Verwebung gesellschaftstheoretischer Konzeptionierungen von Raum und Kind (3.1) aus einer machtanalytischen Betrachtungsweise (3.2) und einer Spezifizierung von Ansätzen, welche sich mit Kalkülen gesellschaftlicher Stratifikation qua kindlicher Geschmacksentfaltung beschäftigen (3.3), herausbilden lassen. Die drei Betrachtungsweisen greifen zurück auf die mit der Entstehungsgeschichte des Kinderzimmers verbundene Bearbeitung und Hervorbringung von Kindheit (2.1). In einem ersten Schritt wird die Entwicklung der wesentlich durch den Wissenschaftsdiskurs geprägten Semantik der Begriffe Kind und Raum in ihrer Beziehung zueinander nachgezeichnet (3.1). Relevant für das Forschungsinteresse ist diese Auseinandersetzung, weil hierin die Positivität der zuletzt aufgeführten Voreinstellungen erkennbar wird: Die Vorstellung der Kindheit als Entwicklungsphase und simultan dazu die Naturalisierung des Raumes als Behälter fungieren als Conditio sine qua non der Verortung von Kindheit. Hierbei tritt erneut die eminente Bedeutung des Kinderzimmers im Prozess der verräumlichten Herstellung von Kindheit hervor (3.1.1). Einen hierzu erweiterten Zugang konzedieren moderne raumsoziologische und kindheitssoziologische Ansätze. Räume werden in dieser Sicht von Akteuren über konsensuale Bedeutungen und Verweisungen konstruiert, die weit über den Behälterraum „Kinderzimmer“ hinausreichen. In evidenter Weise wird auch die „Kindheit“ in 48 Differenzierung gegenüber den übrigen generationalen Gruppen sozial erzeugt. Beide Ansätze setzen auf die Akteure (3.1.2). Historisch besehen tritt mit dem Kinderzimmer eine Verbindung zweier Ausschlusssysteme...

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