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Der Mensch und seine Welt

Zur erkenntnistheoretischen Klärung der Stellung des Menschen in der Welt und der Bedingungen der Verwirklichung seiner Freiheit- Das System der Philosophie II

Abraham Ehrlich

In diesem Teil des Systems der Philosophie gilt es die Beziehung der prinzipiellen Struktur der Subjektivität zu dem «Ich» als der ganze, lebendige Mensch zu bestimmen. Diese konkrete individuelle Verwirklichung des Menschen kommt in seiner Freiheit, die sein Wesen als Individuum bestimmt und als solches konstituiert, zum ausgezeichneten Ausdruck. Zum Menschen kann man nur durch die Bestimmung des besonderen Verhältnisses des Menschen zum Wirklichkeitsganzen kommen. In diesem Verhältnis und in der damit verbundenen «zweite Schöpfung» des Menschen ist die letzte Antwort auf die Fragen zu suchen und zu finden, was unter Mensch-Sein im Allgemeinen und «Wer bin ich?» im Besondern zu verstehen ist.

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II. Die Frage des Menschen nach sich selbst und die Bestimmung seines Wesens

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1. Von Diogenes wird erzählt, dass er an einem hellen Tag auf dem Markt mit einer brennenden Kerze in der Hand herumlief und diese vor die Nase eines jeden Menschen hielt, den er traf, und dabei einen scharfen Blick auf sein Gesicht richtete. Als man ihn fragte, was er da eigentlich tue, antwortete er: „Ich suche einen Menschen!“ Ich weiß nicht, was Diogenes suchte, als er einen Menschen suchte. Was er aber tat, war ein frontaler Angriff auf das Selbstverständnis des Menschen, eine Art Ohrfeige für den Menschen, der seine „Menschlichkeit“ so pflegt und hegt, dass er dabei vergisst, Mensch zu sein. Es ist jedoch keinesfalls der Mangel an „Theorie“, der den Menschen daran hin- dert, sich selbst und die Wirklichkeit, in der er lebt, in den richtigen Proportio- nen zu sehen und die Enge seiner Naivität zu verlassen2. Denn auch dort, wo der Mensch wirklich glaubt, dass er theoretisch seine Naivität überwunden hat, auch dort hört er praktisch, also lebensmäßig, nicht auf, sich selbst als „Zentrum der Welt“ zu sehen und seine Position als solche auch leidenschaftlich zu behaup- ten: Es ist dieser falsche Individualismus, von dem später noch die Rede sein wird. Das Problem besteht darin, dass der Mensch, statt sich selbst zu erkennen und so seine wesensmäßige Verwirklichung zu bestimmen und tatsächlich zu vollzie- hen, sich interpretiert und sich dementsprechend ein „Bild“ von sich macht und danach handelt und lebt. Oder anders formuliert: Das Problem des Menschen...

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