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Der Tonhöhenumfang der deutschen und russischen Sprechstimme

Vergleichende Untersuchung zur Sprechstimmlage

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Augustin Ulrich Nebert

Das Sprechen erfolgt durch die artikulatorische Realisation von Lauten und durch prosodische Merkmale, die sich unter anderem im verwendeten Tonhöhenverlauf äußern. Dem Tonhöhenbereich kommt als Ausdrucksmittel und Wikungsfaktor besondere Bedeutung zu und er ist für die logopädische, sprech-erzieherische, phoniatrische und sprachdidaktische Arbeit relevant. Bisher wurde insbesondere die mittlere Sprechstimmlage beschrieben. In dieser Arbeit wird der gesamte Tonhöhenumfang sowie die Häufigkeit der Verwendung einzelner Tonhöhenbereiche betrachtet und die Wirkung eines sensiblen Bereiches für das Deutsche akustisch und auditiv untersucht. Im Russischen wird dieser Bereich anders funktionell verwendet, wodurch Interferenzen in der Wahrnehmung deutsch sprechender Russen möglich sind. Zur Beschreibung wird ein Zusammenhang zwischen Phonationsmodus und dem verwendeten sprachenspezifischen Sprechbereich hergestellt. Die Erkenntnisse dieser Arbeit münden in Empfehlungen für den Deutschunterricht für russische Muttersprachler und für eine kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen Terminologie.

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2 Die Sprechstimmlage

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2.1 Begriffsklärung 2.1.1. Mittlere Sprechstimmlage versus Indifferenzlage 2.1.1.1. Die mittlere Sprechstimmlage Der Begriff der mittleren Sprechstimmlage hat sich in der Fachliteratur weitest- gehend etabliert (vgl. Kap. 2.1.1.4, 23). Mitunter wird er sogar als Eigenname („Mittlere Sprechstimmlage“) mit der Abkürzung „MSL“ (vgl. u. a. Nawka et al. 2011, 1) oder „MSSL“ (vgl. Braun 2001, 453 ff.) verwendet. Obwohl der Begriff der „Lage“ eher auf die Position des Kehlkopfes während der Phonation schließen lässt, wie es noch Merkel (1857, 767) vornimmt, wird die mittlere Sprechstimm- lage auf einer Tonhöhe angegeben. Sie ist der Versuch, das durch die Intonation geprägte Sprechmelos mit seinen Auf- und Abbewegungen auditiv zu mitteln. Sie kann beispielsweise bei einem logopädischen Patienten rezeptiv erfasst werden mit dem Ziel, anschließend bei ihm produktiv eine Änderung des Tonhöhenge- brauchs zu erreichen. Die mittlere Sprechstimmlage wird durch „Reihensprechen“, z. B. von Zahlenrei- hen ab 21 aufwärts zählend, ermittelt. Dies soll mit geringerer Abweichung von genau einer zu bestimmenden Tonhöhe erfolgen. Die dann vom Therapeuten oder Diagnostiker empfundene am häufigsten verwendete Tonhöhe wird dann mittels Stimmgabel oder Klavier ermittelt und stellt die mittlere Sprechstimmlage dar (vgl. Bergauer 1998, 65; Böhme 2003, 160; Nawka / Wirth 2008, 78; Reker / Wesselmann 1994, 112). Es kann auch ein gefühlsneutraler und nichtemotionaler Text gesprochen werden (Wendler et al. 2005, 122). Reker / Wesselmann (1994, 112) schätzen diese Methode jedoch als „semiobjektiv“ ein. Sie empfehlen zu- sätzlich die...

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