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Der Tonhöhenumfang der deutschen und russischen Sprechstimme

Vergleichende Untersuchung zur Sprechstimmlage

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Augustin Ulrich Nebert

Das Sprechen erfolgt durch die artikulatorische Realisation von Lauten und durch prosodische Merkmale, die sich unter anderem im verwendeten Tonhöhenverlauf äußern. Dem Tonhöhenbereich kommt als Ausdrucksmittel und Wikungsfaktor besondere Bedeutung zu und er ist für die logopädische, sprech-erzieherische, phoniatrische und sprachdidaktische Arbeit relevant. Bisher wurde insbesondere die mittlere Sprechstimmlage beschrieben. In dieser Arbeit wird der gesamte Tonhöhenumfang sowie die Häufigkeit der Verwendung einzelner Tonhöhenbereiche betrachtet und die Wirkung eines sensiblen Bereiches für das Deutsche akustisch und auditiv untersucht. Im Russischen wird dieser Bereich anders funktionell verwendet, wodurch Interferenzen in der Wahrnehmung deutsch sprechender Russen möglich sind. Zur Beschreibung wird ein Zusammenhang zwischen Phonationsmodus und dem verwendeten sprachenspezifischen Sprechbereich hergestellt. Die Erkenntnisse dieser Arbeit münden in Empfehlungen für den Deutschunterricht für russische Muttersprachler und für eine kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen Terminologie.

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4 Zusammenfassung

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4.1 Schlussfolgerung Der verwendete Tonhöhenumfang beim Sprechen ist situations- und sprachbezo- gen. Dabei ist er nur ein Parameter aus einem Komplex von Merkmalen, durch die das Sprechen funktionell und syntagmatisch, aber auch emotionell geprägt ist. So werden beim Lesen im Deutschen die tieferen Bereiche wesentlich öfter ver- wendet als beim freien Sprechen von Wegbeschreibungen. Im Russischen sind die Unterschiede zwischen den beiden Sprechmodi nicht so stark erkennbar, in geringem Maß tendenziell sogar gegenläufig. Das Russische unterscheidet sich vom Deutschen vor allem darin, dass der Modalwert des Sprechenbereichs einen Halbtonschritt höher liegt. Im Deutschen liegt er etwa auf dem siebenten, im Rus- sischen auf dem achten Halbton oberhalb der unteren Stimmgrenze. Das Russi- sche verfügt nicht über so tiefe Anteile wie das Deutsche. Bei Betrachtung der Datensummen aus gelesenem Text und Wegbeschreibungen fällt auf, dass im Be- reich des 13. Halbtons über der unteren Stimmgrenze 5,5 % des russischen Rede- anteils liegt, während es nur noch 3 % des deutschen sind (vgl. Kap. 6.3.9, 291). Die häufigste verwendete Tonhöhe liegt im Deutschen auf dem siebenten Halbton oberhalb der Stimmgrenze mit einer Verwendung des Brustregisters, während be- reits die auf dem achten Halbton für das Russische im Bereich des Mittelregisters, insbesondere bei den Frauenstimmen, liegt (vgl. Pahn 1988, 30). Unterstützt wird dies durch die Hauptbewegungsrichtung der Intonation des Deutschen von unten nach oben oder des Russischen von oben nach unten (vgl. Müller 1999, 256; Odé 1989, 90; Stock...

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