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Interkulturalität und Kognition

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Edited By Tamás Lichtmann and Karl Katschthaler

Dieser Band geht auf die Konferenz «Interkulturalität und Kognition» zurück, die im Rahmen der Tagung der Gesellschaft ungarischer Germanistinnen und Germanisten (GUG) vom Institut für Germanistik der Universität Debrecen zwischen dem 29. und 30. Mai 2009 veranstaltet wurde. Die Beiträge erkunden Schnittstellen des Spannungsfeldes von Interkulturalität und Kognition, wie sie die kognitive Anthropologie, die kognitive Hermeneutik und die Narratologie darstellen, an Beispielen aus der österreichischen, deutschen, schweizerischen, ungarischen Literatur sowie der Migrationsliteratur. Gemeinsam ist ihnen das Streben nach Überschreitung der methodologischen Grenzen der Philologie in Richtung einer transdiziplinären und interkulturellen Literaturwissenschaft.

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Gabriella Hima: Begegnung mit dem Fremden – Interkulturalität und Alterität in fiktionalen Reiseberichten

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17 Gabriella Hima Begegnung mit dem Fremden – Interkulturalität und Alterität in fiktionalen Reiseberichten Die Frage nach dem Wesen des Menschen, nach seiner Natur und seiner Lebens- welt, welche die Anthropologie als Wissenschaft einmal begründete, reichte von Anfang an über die eigene Lebenswelt hinaus. Fragen, wie: Mittels welcher Bil- der kann das Fremde dargestellt werden bzw. welche Alternativen zu vertrauten Vorstellungsmustern eröffnen sich, welche Varianten des bekannten Menschen- schlags zeigen sich, tauchten mit den ersten Reisen auf. Reiseberichte über völlig unbekannte Formen sozialer und politischer Ordnungen oder über äußerst merkwürdige Dispositionen des fremden Alltagslebens thematisieren den Unter- schied zwischen dem scheinbar Bekannten und dem völlig Unbekannten. Die Diskurs- und Systemtheorien, welche als theoretische und methodologische Grundlagen für Alteritäts- und Interkulturalitätsforschungen dienen, gehen da- von aus, daß das Fremde keine vorfindbare Gegebenheit, sondern eher ein Rela- tionsbegriff ist, also nicht von vornherein wahrnehmbar, sondern eine Form des In-Beziehung-Setzens. Nicht der Unterschied macht einen zum Fremden, son- dern seine Institutionalisierung, welche überhaupt zur Wahrnehmung des Unter- schieds führt. Selbst die Differenz ist eine Bedeutungszuschreibung.1 Die For- schungsrichtung von Reiseberichten hat sich daher in den letzten beiden Jahr- zehnten umgedreht: ihr Gegenstand ist nicht mehr die beschriebene Kultur, son- dern die Dispositionen der beschreibenden Kultur. Der Reisebericht ist keine historische Quelle mehr, sondern nur Dokument des Wahrnehmenden selbst.2 1 Vgl. Hahn, Alois: Die soziale Konstruktion des Fremden. In: Sprondel, Walter M. (Hrsg.): Die Objektivität der Ordnungen und ihre kommunikative Konstruktion. Frankfurt...

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