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Interkulturalität und Kognition

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Edited By Tamás Lichtmann and Karl Katschthaler

Dieser Band geht auf die Konferenz «Interkulturalität und Kognition» zurück, die im Rahmen der Tagung der Gesellschaft ungarischer Germanistinnen und Germanisten (GUG) vom Institut für Germanistik der Universität Debrecen zwischen dem 29. und 30. Mai 2009 veranstaltet wurde. Die Beiträge erkunden Schnittstellen des Spannungsfeldes von Interkulturalität und Kognition, wie sie die kognitive Anthropologie, die kognitive Hermeneutik und die Narratologie darstellen, an Beispielen aus der österreichischen, deutschen, schweizerischen, ungarischen Literatur sowie der Migrationsliteratur. Gemeinsam ist ihnen das Streben nach Überschreitung der methodologischen Grenzen der Philologie in Richtung einer transdiziplinären und interkulturellen Literaturwissenschaft.

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Eszter Pabis: „Es bleibt nichts als Lesen”. Narration und Kognition in Max Frischs Der Mensch erscheint im Holozän

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73 Eszter Pabis „Es bleibt nichts als Lesen”. Narration und Kognition in Max Frischs Der Mensch erscheint im Holozän Ulric Neisser, ein Wegbereiter der „kognitiven Wende” in der Denkpsychologie vergleicht den Prozess der Erinnerung mit der Arbeit eines Paläontologen, der auf Grund seiner vorhandenen Kenntnisse und aus den verfügbaren urzeitlichen Überresten die Gestalt eines Dinosauriers wiederherzustellen versucht. Den (auch schon von Maurice Halbwachs betonten) rekonstruktiven bzw. konstruk- tiven Charakter der Erinnerung, der den geläufigen räumlichen Metaphern des Gedächtnisses als einen Wissensspeicher1 widerspricht und der im Vorgang der Erinnerung keinerlei Trennung zwischen den Momenten des Speicherns und des originaltreuen Abrufens zulässt, illustriert er folgenderweise: „out of a few stored bone chips we remember a dinosaur” (aus ein Paar eingespeicherten Kno- chenstücken erinnern wir einen Dinosaurier.2 Einem Paläontologen gleicht aber nicht nur die erinnernde Person (nach Neisser), sondern auch der Protagonist und der Leser von Max Frischs 1979 erschienener Erzählung Der Mensch erscheint im Holozän. Beide versuchen nämlich, aus den noch vorhandenen Bruchstücken einen Sinn, eine Art imaginative „Ganzheit” zu (re)konstruieren. Konkret geht es einerseits auch um Dinosaurier, um erdgeschichtliches, natur- wissenschaftliches Wissen, mit dessen Hilfe die Hauptfigur Herr Geiser den un- vermeidbaren Prozess des Alterns und des Gedächtnisschwundes aufzuhalten versucht und andererseits um die Erzählung seiner Geschichte, deren narrative Strukturierung die Korrelation zwischen Narration und Kognition, den Zusam- menhang zwischen dem Verfall der kognitiven Leistungsfähigkeit und der Nar- 1 Platon interpretiert das Gedächtnis...

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