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Zuteilungsansprüche bei Aktien-Neuemissionen

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Arndt Franke

In Zeiten opportunen Marktverhaltens bei der Neuemission von Aktien kam und kommt es oft zu einer Ungleichbehandlung von Anlegern bei der Verteilung neuer Aktien. In dieser interdisziplinären Arbeit wird in ökonomischer Hinsicht das Phänomen des Underpricing als Grund für vielfach überzeichnete Börsengänge erörtert sowie Platzierungsverfahren erläutert. Basierend auf einer juristischen Analyse der Verteilungsverfahren leitet der Autor einen Anspruch auf gleichmäßige Berücksichtigung der Anleger bei der Zuteilung her. Unter Bezugnahme auf regulatorische Reformbemühungen in den USA und Großbritannien zeigt der Autor Reformperspektiven für deutsche Zuteilungsregeln auf. Ein Schwerpunkt liegt hierbei auf der Ausweitung der informationellen Chancengleichheit von Anlegern bei einem Börsengang.

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6. Teil: Schlussbetrachtung

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Die einleitend gestellte Frage, ob ein Anleger de lege lata einen Anspruch auf Zuteilung von Aktien bei einer Erstemission hat, ist nach dem Ergebnis der Unter- suchung zu verneinen. Der Grund dafür ist, dass der Vertragsschluss über den Kauf jeder einzelnen Aktie erst mit der Zuteilung erfolgt. Die Zuteilung einer Aktie ist kein Rechtsbegriff. Rechtstechnisch eingeordnet ist die Zuteilung einer Aktie die Erfüllungshandlung für den abgeschlossenen Kaufvertrag über Wert- papiere zwischen dem Anleger und der Bank. Selbst diese Formulierung, dass die Zuteilung die Erfüllungshandlung für einen geschlossenen Vertrag ist, kann missverständlich sein und dazu verleiten, implizit anzunehmen, dass die Erfül- lungshandlung dem Vertragsschluss zeitlich nachfolgen müsste. Indes trifft dies nicht zu: Bei der Zuteilung von Aktien einer Neuemission fallen Zuteilung, Ver- tragsschluss und Erfüllungshandlung uno actu zusammen. Betrachtet man die Zuteilung von Aktien bei einer Erstemission unter diesem Aspekt, spitzt sich die allgemein gehaltene Fragestellung, ob der Anleger einen Anspruch auf Zuteilung von Aktien hat, zu der konkretisierten Frage zu, ob ein Anleger einen Anspruch auf den Abschluss eines Vertrages mit seiner Bank hat, dessen Gegenstand ist, dem Anleger eine bestimmte Zahl Aktien zuzuteilen. Jedem geforderten Anspruch auf den Abschluss eines Vertrages steht das zi- vilrechtliche Leitprinzip der Privatautonomie entgegen. Die Freiheit zur Selbst- gestaltung der Rechtsgeschäfte durch den Einzelnen in ihrer Ausprägung als Freiheit, selbst zu bestimmen, ob eine Privatperson mit einem Vertragspartner überhaupt eine vertragliche Verbindung eingeht (Abschlussfreiheit), lässt sich nicht mit einer etwaigen Verpflichtung der...

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