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Medien und Buddhismus in Viktor Pelevins Roman «Buddhas kleiner Finger» (Čapaev i Pustota): Gefangenschaft und Befreiung

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Inna Ganschow

Die Arbeit beschäftigt sich mit Viktor Pelevins Roman Čapaev i Pustota und rückt dabei die literarischen Verfahren des Autors, die seinen Schreibstil charakterisieren, in den Mittelpunkt der Analyse. Auf der inhaltlichen Ebene des Romans wird die das Bewusstsein krank machende Wirkung der Medien aufgezeigt. In der ästhetischen Form des Romans werden dagegen Strategien des Buddhismus verwirklicht, die als heilende Gegenmaßnahme verstanden werden können. Methodisch geht die Arbeit zunächst werkimmanent vor und greift dabei auf die kommunikationstheoretisch fundierte Narratologie zurück. Abschließend wird der Roman im Ganzen als «literar-buddhistisch geprägter Antimedienroman» charakterisiert.

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Pelevin ist ein post-sozrealistischer Postmodernist. Die Frage nach der Zugehörigkeit Pelevins zum Postmodernismus kann unter dem Vorbehalt bejaht werden, dass es sich bei dem Postmodernismus im Roman Чапаев и Пустота um eine spezielle russische Spielart handelt. Sie ist keine Reaktion auf die Ideale der Moderne, wie sie im Westen und in Russland in den 1920-30 Jahren ihre Blütezeit erfuhr, sondern ein Produkt einerseits des Post-Sozrealismus und andererseits der kritischen Auseinandersetzung mit dem Postmodernismus als einer westlichen Erscheinung, die in den 1960-70er Jahren entstand und die nicht zuletzt mit der Verbreitung des Fernsehens zusammenhing. Als eins der wichtigsten Merkmale, die in Pelevins Roman nachklingen, kann man die Reproduzierbarkeit der Realitätsabbilder festhalten. Ein anderes ist die „diskursive Banalität“, von der Mark Lipoveckij [Липовецкий 2008:729] sprach, als er den Post-Sozrealismus definierte: „Новые штампы [...] позаимствованы главным образом из советского [...] репертуара [...]. Элементы этого контекста легко узнаются даже самым неподготовленным читателем и зрителем, будучи скорее ритуальными, чем эмоциональными.“ Zu den weiteren Zeichen des Post-Soz zählt er die binäre Opposition im Sujet, die Modellierung des Protagonisten als einen epischen Helden, die Zugehörigkeit des Protagonisten zu einer Bruderschaft, obligatorisches Zitieren der sozrealistischen Kunst wie Lieder, Filme oder kanonische Situationen bzw. Charaktere [ebd.:731-733]. Alle diese Attribute des Post-Soz sind in Чапаев и Пустота vorhanden. Sie stellen eine Reaktion auf die sozrealistische Tradition dar, machen darüber einen bösen Witz, kreieren eine Parodie und liefern somit ein ausgezeichnetes Beispiel für стёб. Pelevins Schreibweise ist nicht zuletzt als postmodernistisch einzuordnen, da seine Texte eine metatextuelle Natur aufweisen und ein Schreiben über das Schreiben darstellen. Protagonisten wie Petr oder Graf T. erschaffen durch das Schreiben ihr Leben. Die rhizomartige Struktur der Romane, die...

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