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Der historische Roman

Erkundung einer populären Gattung

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Hans-Edwin Friedrich

Der historische Roman zählt zu den Erfolgsgattungen der letzten 20 Jahre, doch erst jetzt beginnt die Literaturwissenschaft, sich intensiv mit dieser Entwicklung auseinanderzusetzen. Der Sammelband widmet erfolgreichen Leseklassikern des Genres ausführliche Fallstudien. Er geht der Rehabilitierung des Geschichtsromans in der Postmoderne nach und beschäftigt sich besonders mit den parahistorischen und metafiktionalen Romanformen, die das Verhältnis von factum und fictum verhandeln und fachliche Trends der Geschichtswissenschaft aufgreifen. Der Band bietet darüber hinaus detaillierte Untersuchungen zu aktuellen Bestsellern und deren Tendenz, sich vom traditionellen Modell der nationalen Erfolgsgeschichte ab- und der «Abweichlergeschichte» zuzuwenden. Den Abschluss bildet eine Primärbibliographie des historischen Romans seit 1985.

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Claus-Michael Ort: Handlungshemmung und Werkstiftung. Joseph Victor von Scheffels (1855) und die fingierte Selbsthistorisierung des historischen Erzählens.

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Handlungshemmung und Werkstiftung. Joseph Victor von Scheffels Ekkehard. Eine Geschichte aus dem zehnten Jahrhundert (1855) und die fingierte Selbsthistorisierung des historischen Erzählens. Claus-Michael Ort Seit seiner Formierung im deutschen Sprachraum um 1800 (Veit Weber [d.i. Leonhard Wächter], Benedikte Naubert u.a.), also noch vor der generischen In- stitutionalisierung durch Walter Scott und Willibald Alexis, fungiert der histori- sche Roman nicht nur als Medium gesellschaftlicher Selbstverständigung über ‚Geschichte‘, sondern immer wieder auch als Ort der Reflexion über deren nar- rative Konstruktion.1 Im deutschen Sprachraum kann er als das quantitativ do- minierende Erzählgenre des 19. Jahrhunderts gelten, das mit Joseph Victor von Scheffels (1826-1886) „Geschichte aus dem 10. Jahrhundert“ Ekkehard – publi- ziert 1855, ein Jahr nach Scheffels Versepos Der Trompeter von Säkkingen. Ein Sang vom Oberrhein – den erfolgreichsten deutschsprachigen Roman des Jahr- hunderts vorzuweisen hat. Von Theodor Fontane überschwänglich gelobt – „Ek- kehard zählt zu den besten Büchern, die ich gelesen habe!“ und „erinnert an Walter Scotts allerbeste Arbeiten“,2 – preist Hugo von Hofmannsthal noch 1926 „das Schöne an diesem Buch“, welches nicht „vorwiegend für die Jugend be- stimmt“ sei, aber „auch vom jugendlichen Gemüt aufgenommen werden“ könne und für „den gereiften Menschen […] nicht weniger vorhanden“ sei“ und pro- phezeit, dass es „durch die ganze Breite der Nation hin noch lange wirksam bleiben“ werde.3 1 Letzteres betont v.a. Hans Vilmar Geppert: Der ‚andere‘ historische Roman. Theorie und Strukturen einer diskontinuierlichen Gattung. Tübingen 1979 oder Walter Schiffels: Ge- schichte(n) Erz...

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