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Der historische Roman

Erkundung einer populären Gattung

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Edited By Hans-Edwin Friedrich

Der historische Roman zählt zu den Erfolgsgattungen der letzten 20 Jahre, doch erst jetzt beginnt die Literaturwissenschaft, sich intensiv mit dieser Entwicklung auseinanderzusetzen. Der Sammelband widmet erfolgreichen Leseklassikern des Genres ausführliche Fallstudien. Er geht der Rehabilitierung des Geschichtsromans in der Postmoderne nach und beschäftigt sich besonders mit den parahistorischen und metafiktionalen Romanformen, die das Verhältnis von factum und fictum verhandeln und fachliche Trends der Geschichtswissenschaft aufgreifen. Der Band bietet darüber hinaus detaillierte Untersuchungen zu aktuellen Bestsellern und deren Tendenz, sich vom traditionellen Modell der nationalen Erfolgsgeschichte ab- und der «Abweichlergeschichte» zuzuwenden. Den Abschluss bildet eine Primärbibliographie des historischen Romans seit 1985.

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Stephan Opitz: Gisbert Haefs, "Hannibal". Der Roman Karthagos

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Gisbert Haefs, Hannibal. Der Roman Karthagos Stephan Opitz Der Roman entwickelt sich aus der Geschichtsschreibung. Das mag der Grund des Misstrauens vieler Historiker gegenüber literarischer Prosa sein. Vielleicht hat dieses Misstrauen mit der Herkunft des Romans aus dem unerschöpflichen Reich des Geschichtenerzählens zu tun und sicherlich wollen die Historiker es deswegen ganz besonders genau und gut machen: Das Quellenstudium und die Fähigkeit, logische Schlüsse aus diesem Wissen zu ziehen, gelten als hohe ge- schichtswissenschaftliche Tugenden. Doch weil die Quelle nicht immer eine Ak- te ist und ad fontes gehen der Gang zu vielen Wassern bedeuten kann, bleibt da stets auch eine Unsicherheit beim Umgang mit dem möglicherweise von erzäh- lerischer Lust gespeisten Material fiktionaler Art. Nichts fürchten die Historiker mehr. Aber sie können mit ihren wissenschaftlichen Mitteln wiederum daran, dass der Roman immer auch ein Zeitdokument ist, nichts ändern. Und so kommt die Literaturwissenschaft ins Spiel. Die Geschichtsschreibwelt vor der Entwicklung des Romans im neuzeitli- chen Sinn zerfiel in zwei Teile. Denn es gab die Geschichtsschreibung in Prosa seit dem Vater der Geschichte, Herodot (istorizein heißt auf Griechisch erzäh- len), und dann gab es seit noch früherer Zeit den Roman in gebundener Sprache. Mit der gebundenen Sprache, der Poesie, fängt in den beiden uns bedingenden Kulturkreisen, der Antike und dem Alten Mittelmeerraum einerseits und dem daran zeitlich wie räumlich wie kulturgeschichtlich anknüpfenden heutigen Eu- ropa andererseits, aber das Erzählen an: andra moi enepe mousa...

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