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Der historische Roman

Erkundung einer populären Gattung

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Edited By Hans-Edwin Friedrich

Der historische Roman zählt zu den Erfolgsgattungen der letzten 20 Jahre, doch erst jetzt beginnt die Literaturwissenschaft, sich intensiv mit dieser Entwicklung auseinanderzusetzen. Der Sammelband widmet erfolgreichen Leseklassikern des Genres ausführliche Fallstudien. Er geht der Rehabilitierung des Geschichtsromans in der Postmoderne nach und beschäftigt sich besonders mit den parahistorischen und metafiktionalen Romanformen, die das Verhältnis von factum und fictum verhandeln und fachliche Trends der Geschichtswissenschaft aufgreifen. Der Band bietet darüber hinaus detaillierte Untersuchungen zu aktuellen Bestsellern und deren Tendenz, sich vom traditionellen Modell der nationalen Erfolgsgeschichte ab- und der «Abweichlergeschichte» zuzuwenden. Den Abschluss bildet eine Primärbibliographie des historischen Romans seit 1985.

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Ulrich Kinzel: Wilde Historie Thomas Pynchon, "Mason & Dixon" (1997)

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Wilde Historie Thomas Pynchon, Mason & Dixon (1997) Ulrich Kinzel Im Jahre 2003 veröffentlichte der amerikanische Schriftsteller Thomas Pynchon einen Essay über 1984, der die im englischen Penguin–Verlag erschienene Jubi- läumsausgabe von George Orwells Roman einleitete. In diesem Essay kommt Pynchon auch auf das Schicksal der Erinnerung zu sprechen. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass die Interessen des Regimes von Ozeanien „in der Aus- übung von Macht um ihrer selbst willen“ lägen, zu der auch der „unaufhörli- che[…] Krieg gegen die Erinnerung“ gehöre. Pynchon schreibt weiter: Der Erinnerung ist vom totalitären Standpunkt aus noch relativ einfach beizukom- men. Es gibt immer irgendeine Einrichtung wie das Ministerium für Wahrheit, um die Erinnerung anderer zu leugnen, die Vergangenheit umzuschreiben. Im Jahr 2003 ist es zum Gemeinplatz geworden, dass Staatsbedienstete mehr als die meisten von uns bezahlt bekommen, um tagtäglich die Geschichte herabzuwürdigen, die Wahr- heit zu trivialisieren und die Vergangenheit auszulöschen. Wer aus der Geschichte nichts lernt, muß sie nur so lange noch einmal erleben, wie die Machthaber keine Möglichkeit finden, jedermann, auch sich selbst, davon zu überzeugen, dass die Ge- schichte so niemals stattgefunden hat.1 Pynchon situiert die Erinnerung sehr deutlich in einem politischen Kontext – sofern man unter Politik die Ausübung von Macht im weitesten Sinne versteht –, und in diesem Kontext ist die Erinnerung von Auslöschung bedroht. Dies ge- schieht allerdings nicht nur durch das Verschweigen oder Verdecken der histori- schen Wahrheit, sondern auch dadurch, dass die Geschichte durch...

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