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Die Pionierorganisation «Ernst Thälmann»

Pädagogik, Ideologie und Politik- Eine Regionalstudie zu Dresden 1945–1957 und 1980–1990

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Beate Kaiser

Die Pionierorganisation Ernst Thälmann vereinte im Herbst 1989 etwa 98% aller Kinder der DDR. Straff zentralistisch organisiert und ständig von FDJ und SED kontrolliert, sollte sie die ideologische Erziehung der Jüngsten sichern. Die Studie untersucht, ob die pädagogische Arbeit der Pionierorganisation in der Realität tatsächlich den Vorgaben entsprach und als Instrument des totalitären Staates die gewünschten Einstellungen und Verhaltensweisen produzierte. Welche Rolle spielten Pionierleiter, Lehrer und Kinder im Gefüge der Organisation? Wie reagierten die Leitungen auf Probleme und Konflikte? Existierten innerhalb der Pionierorganisation pädagogische Freiräume und wie wurden sie genutzt? Diese Fragen werden am Beispiel der Stadt Dresden exemplarisch beantwortet.

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Exkurs: Die Pionierorganisation 1958-1978

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Die Ereignisse der Jahre 1958 bis 1979 und ihre Auswirkungen auf die Arbeit der Pionierorganisation sind nicht Gegenstand der vorliegenden Studie. Im Sin- ne einer möglichst stringenten Darstellung sollen trotzdem die strukturellen und inhaltlichen Entwicklungen dieses Zeitraums kurz umrissen werden. Die Strukturen der Pionierorganisation veränderten sich im Dezember 1957 grundlegend, als das Politbüro des ZK der SED die Pionierorganisation zu einer selbständigen Massenorganisation erklärt und damit ihre direkte Unterstellung verfügte. Dieser Beschluss basierte auf den Erfahrungen der offensichtlichen Krise, in der sich die Pionierorganisation seit der Mitte der 1950er Jahre befand: es war zu diesem Zeitpunkt weder gelungen, die Mitgliederzahlen signifikant zu steigern, noch die politisch-ideologischen Zielvorgaben lückenlos durchzusetzen (vgl. Kap. IV.1). Dies war auch der SED nicht entgangen. Schon im Januar 1956 hatte das ZK im Beschluss „Der Jugend unser Herz und unsere Hilfe“ konsta- tiert, dass es die Partei bisher nicht vermocht habe, die Mehrheit der Jugend zu erreichen. Die Gründe dafür sahen die Funktionäre u.a. in der ungenügenden Fürsorge der Partei für die Jugend: man hätte sich zu wenig um die Jugend ge- kümmert, hätte sie mit ihren Fragen und ihrer Erziehung sich selbst überlassen und damit dem Gegner in die Hände getrieben.1 Die FDJ war indes nicht in der Lage, die Arbeit der Pionierorganisation zu optimieren; ihr fehlten neben dem geeigneten Personal auch tragfähige Konzep- te (vgl. Kap. IV.3). Darüber hinaus befand sich die FDJ selbst in...

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