Show Less

Die Pionierorganisation «Ernst Thälmann»

Pädagogik, Ideologie und Politik- Eine Regionalstudie zu Dresden 1945–1957 und 1980–1990

Series:

Beate Kaiser

Die Pionierorganisation Ernst Thälmann vereinte im Herbst 1989 etwa 98% aller Kinder der DDR. Straff zentralistisch organisiert und ständig von FDJ und SED kontrolliert, sollte sie die ideologische Erziehung der Jüngsten sichern. Die Studie untersucht, ob die pädagogische Arbeit der Pionierorganisation in der Realität tatsächlich den Vorgaben entsprach und als Instrument des totalitären Staates die gewünschten Einstellungen und Verhaltensweisen produzierte. Welche Rolle spielten Pionierleiter, Lehrer und Kinder im Gefüge der Organisation? Wie reagierten die Leitungen auf Probleme und Konflikte? Existierten innerhalb der Pionierorganisation pädagogische Freiräume und wie wurden sie genutzt? Diese Fragen werden am Beispiel der Stadt Dresden exemplarisch beantwortet.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

VIII. Resümee und Ausblick

Extract

Die Pionierorganisation existierte – zählt man die letzten neun Monate ihres Be- stehens wohlwollend dazu – einundvierzigeinhalb Jahre lang. Bis zum Novem- ber 1989 unterlag sie der direkten Steuerung durch FDJ und SED. Die Pionier- organisation galt neben der Schule als wichtige sozialistische Sozialisations- instanz; ihr Erziehungsziel war in erster Linie politisch-ideologisch determiniert. Die Dominanz politisch-ideologischer Zielstellungen lässt sich in den Konzepti- onen für alle Wirkungsbereiche der Pionierorganisation – für die Veranstaltun- gen der Pioniergruppe, für die Arbeitsgemeinschaften, für die Pionierhäuser und für die Ferienlager – und in beiden untersuchten Zeitabschnitten nachweisen. Dieser Erziehungsanspruch erstreckte sich, analog zum Führungsanspruch der SED in der Gesellschaft, auch auf Eltern, auf Funktionäre und selbst auf die we- nigen Kinder, die der Pionierorganisation nicht beitraten. Nach ihrer Gründung entwickelte sich die Organisation im Laufe weniger Jahre zu einem untrennbaren Bestandteil der Schule, so dass sich ihre Aufgaben und ihr Wirken kaum noch von schulischen Belangen trennen ließen. Die vor- liegende Studie arbeitete jedoch heraus, dass in den 1950er Jahren innerhalb der Dresdner Pionierorganisation zahlreiche Problemfelder existierten, die sich vor allem als massive Effizienzprobleme beschreiben lassen. Die Lehrer und Pio- nierleiter setzten die Vorgaben oftmals falsch, unvollständig oder gar nicht um, so dass sich weder die politisch-ideologische Arbeit, noch die methodisch- praktische Tätigkeit der Pionierorganisation zur Zufriedenheit der Funktionäre entwickelten. Entsprechend enttäuscht äußerten sich die Leitungen von FDJ, SED und Volksbildung sowohl über die Realisierung zentraler Vorgaben, als auch über die messbaren...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.