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Das Konzept Deutschheit

Studien über Eduard Spranger

Klaus Himmelstein

Die zehn Studien des Buches über den Philosophen und Pädagogen Eduard Spranger (1882-1963) vermitteln das politische Porträt eines konservativen Intellektuellen. Spranger beteiligte sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in wechselnden Herrschaftsverhältnissen, intensiv an der ideologischen Auseinandersetzung um die nationale und kulturelle Identität. In der Einheit des Deutschseins – unter Ausschluss alles Nichtdeutschen, besonders des Jüdischen – wollte Spranger die Gegensätze in der deutschen Gesellschaft und die wachsende Komplexität des modernen Lebens imaginär aufheben. Das Ideal der «Deutschheit» sollte Individualität und Staatlichkeit versöhnen. Spranger fasste diese Vorstellung in die Formel: Durchseelung des Staates und Durchstaatlichung der Seele.

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Vorrede

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Meine erste Begegnung mit dem Philosophen und Pädagogen Eduard Spranger liegt weit zurück. Anfang der 60er Jahre studierte ich an der Pädagogischen Akademie in Jugenheim an der Bergstraße. Zur Pflichtlektüre des angehenden Volks- und Realschullehrers gehörte Sprangers „Psychologie des Jugendalters“. Andere Schriften von ihm, wie „Der geborene Erzieher“ oder „Der Eigengeist der Volksschule“, kamen hinzu. Und es blieb nicht bei Spranger. Wir Studieren- de lernten die Creme der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik als zeitlos gültige Theoretiker kennen: neben Spranger vor anderen noch Theodor Litt. Die eigen- tümliche Begrifflichkeit Sprangers und sein oftmals hymnischer Ton bewirkten allerdings einen deutlichen Abstand. Dazu eine Kostprobe aus dem Vorwort Sprangers zur 24. Auflage der Psychologie des Jugendalters aus dem Jahr 1955: „In der Jugend erneut sich das flüchtige Leben unablässig mit leuchtendem Glanz. Ein Volk ist wie ein Baum, an dem ein Zweig immerfort in Blüte steht. Dies Wunder zu betrachten, kann ich auch im hohen Alter nicht aufhören.“ Andererseits lernte ich im Schwerpunktfach meines Studiums, der Heilpä- dagogik, die Verknüpfung von Psychoanalyse und Soziologie durch den Sozial- pädagogen Berthold Simonsohn kennen. Er vermittelte die Diskussionen inner- halb der psychoanalytischen Pädagogik in der Weimarer Republik. Er brachte uns Studierenden damals Psychoanalytiker und Pädagogen wie Siegfried Bern- feld nahe, und er öffnete den Blick auf die sozialistisch orientierte Pädagogik und Psychologie, deren Vertreter, Männer und Frauen, 1933 aus Deutschland vertrieben worden waren. Simonsohn hatte als Jude die...

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