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Das Konzept Deutschheit

Studien über Eduard Spranger

Klaus Himmelstein

Die zehn Studien des Buches über den Philosophen und Pädagogen Eduard Spranger (1882-1963) vermitteln das politische Porträt eines konservativen Intellektuellen. Spranger beteiligte sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in wechselnden Herrschaftsverhältnissen, intensiv an der ideologischen Auseinandersetzung um die nationale und kulturelle Identität. In der Einheit des Deutschseins – unter Ausschluss alles Nichtdeutschen, besonders des Jüdischen – wollte Spranger die Gegensätze in der deutschen Gesellschaft und die wachsende Komplexität des modernen Lebens imaginär aufheben. Das Ideal der «Deutschheit» sollte Individualität und Staatlichkeit versöhnen. Spranger fasste diese Vorstellung in die Formel: Durchseelung des Staates und Durchstaatlichung der Seele.

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4 Ich fiel „daselbst unter die Juden“. Die Konstruktion des Deutschen gegen das Jüdische

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129 4 Ich fiel „daselbst unter die Juden“ Die Konstruktion des Deutschen gegen das Jüdische Im August 1904, während eines Ferienaufenthaltes im Schwarzwald, besuchte der 22-jährige Student Eduard Spranger erstmals Tübingen. „Ich kam als Wall- fahrer“, erinnerte er sich 50 Jahre später: „Ich wollte mit eigenen Augen sehen, wo Hölderlin gelebt hatte, der Dichter, der meinem Herzen vor allen lieb war“.1 Als Flüchtling sah sich Spranger 1946 nach Tübingen zurückkehren, wo er schließlich zum beheimateten Bürger der Stadt geworden sei. Nach einem pathe- tischen Hinweis auf den „Tübinger Geist“ und die Särge der Hohenzollern auf der Alb bilanzierte er: „Das alles ist Deutschland. Geht man zur Nacht durch die Gassen der Stadt, so meint man das Wehen der deutschen Seele zu spüren, die immer wieder Werke des Geistes webt, in Wissenschaft und Dichtung, in Staat und Gewerbe.“2 Doch Spranger besuchte im August 1904 nicht nur Tübingen. In einem Brief an die Freundin Käthe Hadlich berichtete er auch von einer Wanderung durchs Neckartal, die ihn nach Horb führte, von dem er entzückt war, „wenn schon ich“, schränkte er ein, „– ganz ahnungslos – daselbst unter die Juden fiel“3. Und 45 Jahre später, 1949, schrieb er der Freundin, dass er wieder nach Horb gewan- dert sei und „in demselben Café“ gerastet habe, wo er „1904 an einem Schabbes unter die Juden fiel. Diesmal fand ich an unvermuteter Stelle auf dem Wege...

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