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Rationalität und Demokratie

Herausgegeben vom Centro de Estudios Filosóficos José Porfirio Miranda

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Centro de Estudios Filosóficos

Rationalität und Demokratie gehört mit den bereits ins Deutsche übersetzten Werken Appell an die Vernunft und Hegel hatte recht zu den drei meistgeschätzten Philosophiebüchern des Autors . In diesem Buch versammelt Miranda die bedeutendsten Thesen seiner früheren Bücher und entwickelt darüber hinausgehend Themen wie Rationalität und Geschichte, Gesellschaft und Demokratie und, vor allem, Gerechtigkeit. Der Autor streitet in lebhafter Weise mit Philosophen wie Adorno, Hegel und Rousseau und Soziologen wie Habermas, Luhmann und Rawls über die von ihm abgehandelten Punkte. Er verwendet eine wissenschaftliche Methodik. Er verlangt Definitionen und Beweise. Dies erläutert er im letzten Kapitel mit dem Titel Wissenschaft und Gesellschaft.

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4 Gerechtigkeit

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Luhmann und Habermas geben beide unseren modernen Demokratien eine halt- lose Empfehlung: Probleme und Konflikte unter Absehung von Wahrheit und Gerechtigkeit zu lösen. Wir werden noch darauf zurückkommen; eine Empfeh- lung, der die gewaltige Brandung neuer Bewegungen und Nicht-Regierungs- Organisationen nicht im Entferntesten Beachtung zu schenken gedenkt, verdient auch keine vorrangige Behandlung. Eine der bemerkenswertesten geschichtli- chen Tatsachen ist jedoch der Umstand, dass die Zivilisation (vgl. unser Kapitel 1) ihre größten Fortschritte eben im Namen der Gerechtigkeit erzielt hat, obwohl die geltende Definition von Gerechtigkeit („Jedem das Seine“) eine vollkommen inhaltsleere ist. Die Völker haben offensichtlich gewusst, dass Gerechtigkeit et- was anderes ist. Tatsächlich ist diese Pseudodefinition römischer Juristen eine reine Aus- flucht, ein völlig leerer Begriff, er besagt in Wirklichkeit nichts, denn er gibt keinen Hinweis darauf, was „das Seine“ jedes Einzelnen ist. Es ist eine Finte von Definition, eine Geste, die es ermöglicht Pathos abzureagieren, aber nicht den Inhalt der Vorstellung von Gerechtigkeit auszudrücken. Unmöglich hätten uns Leute, die überzeugt waren, Sklaverei sei nicht unge- recht und gegen sie gebe es nichts einzuwenden, sagen können, was Gerechtig- keit ist. Ferner ist anzumerken, dass eben aufgrund seiner Formulierung der Satz „Jedem das Seine“ eindeutig die gegenwärtige Güter- und Machtverteilung als nicht anfechtbar ansieht, sondern vielmehr darauf achtet, dass sie unangetastet bleibt, dafür sorgt, dass jeder „das Seine“ behält. Er geht davon aus, dass die Gerechtigkeit nichts gegen das Vorhandene, das (mit welchen Mitteln...

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