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Das urheberrechtliche Entstellungsverbot im Umgang mit Originalwerken der bildenden Kunst

Unter besonderer Berücksichtigung der Eigenarten zeitgenössischer Kunst

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Donata von Gruben

Diese Arbeit befasst sich mit dem Recht des Künstlers, Entstellungen und andere Beeinträchtigungen seines Werkes zu verbieten (§ 14 UrhG). Zwar steht dem Eigentümer eines erworbenen Kunstwerkes einerseits grundsätzlich das Recht zu, nach Belieben mit seinem Werkstück verfahren zu dürfen. Andererseits stellt das Kunstwerk gleichzeitig ein geistiges Werk dar, welches als Immaterialgut bis siebzig Jahre nach dem Tod des Künstlers urheberrechtlich geschützt ist. Diese Spannungslage zwischen dem Künstler und denjenigen, die mit seinen Werken umgehen, führt häufig zu Konflikten, insbesondere im Hinblick auf die Vernichtung, die Restaurierung und die Ausstellung vor allem zeitgenössischer Kunstwerke. Im Rahmen dieser Arbeit sollen Lösungen für derartige Konflikte aufgezeigt werden.

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Zweites Kapitel: § 14 UrhG als zentrale Schutznorm gegen Entstellungen und andere Beeinträchtigungen

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A. Spannungsverhältnis zwischen Urheberrecht und Sacheigentum Zwischen dem Urheberrecht und dem Sacheigentum an einem urheberrechtlich geschützten Werk besteht ein Spannungsverhältnis. Einerseits steht dem Urheber das Urheberrecht an seinem geistigen Werk zu. Andererseits hat der Eigentümer gem. § 903 BGB das Recht, mit seinem Eigentum nach Belieben zu verfahren. Während also das Urheberrecht die Rechtslage an dem geistigen Werk regelt, regelt das Sachenrecht die Rechtslage am körperlichen Werkstück.103 Urheber- recht und Sacheneigentum sind unabhängig voneinander und stehen selbständig nebeneinander.104 Es stellt sich also die Frage, ob und in wie weit derjenige, der das Eigentum an einem Originalkunstwerk erworben hat, oder ein anderer mit dem Kunstwerk Umgehender gegen den Willen des Künstlers Handlungen vor- nehmen darf, die das Werk berühren. B. § 14 UrhG als Ausfluss des Urheberpersönlichkeitsrechts Gem. § 14 UrhG hat der Urheber das Recht, eine Entstellung oder eine andere Beeinträchtigung seines Werkes zu verbieten, die geeignet ist, seine berechtigten geistigen oder persönlichen Interessen am Werk zu gefährden. Damit ist § 14 UrhG die zentrale Bestimmung des urheberrechtlichen Werkschutzes105 und Hauptausfluss des Urheberpersönlichkeitsrechts, welches im Kern in §§ 12 bis 14 UrhG geregelt ist. Während das Veröffentlichungsrecht gem. § 12 UrhG es dem Urheber ermöglicht, zu bestimmen, in welcher konkreten Form er sein Werk in die Öffentlichkeit entlassen will, schützt das Recht aus § 14 UrhG hingegen den Bestand dieser konkreten Form und des darin zum Ausdruck gelangenden kon- kreten geistig-ästhetischen Gesamteindrucks des Werkes.106 Die Norm...

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