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Der deutsche Osten in der Schule

Institutionalisierung und Konzeption der Ostkunde in der Bundesrepublik in den 1950er und 1960er Jahren

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Britta Weichers

Die Ostkunde war ein zentrales Bildungsanliegen in der frühen Bundesrepublik. Sie prägte die Schulbildung in den 1950er und 1960er Jahren entscheidend: Sie gestaltete die Erinnerung an die Vertreibungsgebiete sowie die entsprechenden Geschichts- und Gegenwartsbilder und strebte die Wiedergewinnung der ehemaligen deutschen Ostgebiete an. Zentrale Inhalte dieser Arbeit sind die Institutionalisierung und die inhaltliche Ausgestaltung der Ostkunde sowie ihre gesellschaftlichen Funktionen und Auswirkungen. Der multiperspektivische Ansatz der Studie verknüpft methodisch Diskurs-, Mentalitäts-, Politik- und Bildungsgeschichte miteinander. Sie beschreibt den Weg von entsprechenden Forderungen der Vertriebenenverbände bis zur Verankerung ihrer Inhalte in den westdeutschen Bildungskanon.

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Einleitung

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Das Thema Flucht und Vertreibung der Deutschen aus dem östlichen Europa schlägt auch über 60 Jahre nach den Ereignissen in der deutschen Gesellschaft noch hohe Wellen und birgt politischen Zündstoff. Deutlich wird dies an der Debatte um einen nationalen Gedenktag für die Opfer von Vertreibungen. Bereits 2003 hatte der Bundesrat einen solchen Gedenktag gefordert, im Februar 2011 beriet der Bundes- tag schließlich über einen neuerlichen Vorstoß der Regierungsfraktionen CDU/CSU und FDP. Dabei ist das eigentlich Kritikwürdige nicht die Einrichtung eines Vertrie- benengedenktages, sondern der explizite Bezug auf die Charta der Heimatvertriebenen, der in dem Antrag 60 Jahre Charta der Heimatvertriebenen – Aussöhnung vollenden deutlich wird und der äußerst problematisch ist. In dem Antrag heißt es, dass die Charta vom 5. August 1950 ein wichtiger »Meilenstein auf dem Weg zur Integration und Aus- söhnung«1 gewesen sei, da die Vertriebenen darin explizit auf Rache und Vergeltung verzichtet und sich der Schaffung eines geeinten Europas verpflichtet hätten. Wei- terhin zitiert der Antrag Bundestagspräsident Norbert Lammert mit den Worten, die Charta gehöre zu den »Gründungsdokumenten der Bundesrepublik Deutschland« und sei »eine wesentliche Voraussetzung ihrer vielgerühmten Erfolgsgeschichte.«2 Darüber hinaus sehen die Antragsteller es als »längst überfällig« an, die »Stigmatisie- rung der Opfer von Flucht und Vertreibung sowie deren Nachkommen zu been- den.«3 Mit der Annahme des Antrages durch die Regierungskoalition wurde die Bundesregierung aufgefordert, zu prüfen, ob der 5. August zum bundesweiten Ge- denktag f...

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