Show Less

Der deutsche Osten in der Schule

Institutionalisierung und Konzeption der Ostkunde in der Bundesrepublik in den 1950er und 1960er Jahren

Series:

Britta Weichers

Die Ostkunde war ein zentrales Bildungsanliegen in der frühen Bundesrepublik. Sie prägte die Schulbildung in den 1950er und 1960er Jahren entscheidend: Sie gestaltete die Erinnerung an die Vertreibungsgebiete sowie die entsprechenden Geschichts- und Gegenwartsbilder und strebte die Wiedergewinnung der ehemaligen deutschen Ostgebiete an. Zentrale Inhalte dieser Arbeit sind die Institutionalisierung und die inhaltliche Ausgestaltung der Ostkunde sowie ihre gesellschaftlichen Funktionen und Auswirkungen. Der multiperspektivische Ansatz der Studie verknüpft methodisch Diskurs-, Mentalitäts-, Politik- und Bildungsgeschichte miteinander. Sie beschreibt den Weg von entsprechenden Forderungen der Vertriebenenverbände bis zur Verankerung ihrer Inhalte in den westdeutschen Bildungskanon.

Prices

See more price optionsHide price options
Show Summary Details
Restricted access

Praxis des Ostkundeunterrichts auf Länderebene

Extract

Erste Ostkundeerlasse der Kultusministerien Initiativen für die Aufnahme ostkundlicher Inhalte in den Unterricht gingen, wie bereits gezeigt wurde, in erster Linie auf die Interessenvertretungen der Vertriebenen zurück, wobei in den Kultusministerien – sowohl in SPD- als auch in CDU-regierten Bundesländern – anfänglich große Skepsis gegenüber diesen ostkundlichen Bestre- bungen herrschte.1 Als eines der ersten Ministerien gab schließlich das nordrhein- westfälische Kultusministerium den Forderungen der Vertriebenenverbände nach Aufnahme ostdeutscher Geschichte und Kultur in die Lehrpläne der Schulen nach und veröffentlichte am 28. März 1951 einen Erlass.2 Darin vertrat das Ministerium die Meinung, »daß die Schule nach wie vor allen deutschen Kindern die Kenntnis des gesamtdeutschen Heimatraums zu vermitteln hat«.3 Dazu gehöre »das Wissen um die ostdeutschen Landschaften, um die Art ihrer Bewohner, um die Leistungen der Kunst und des Geistes, in denen östliche Stämme die gemeinsame deutsche Kultur eigenständig ausgeprägt haben, nicht minder als das durch Lehre und Anschauung erworbene Bewußtsein von der Umwelt, in der das vertriebene Schulkind jetzt mit dem westdeutschen lebt.«4 Nur wenige Wochen später veröffentlichte das Kultusministerium einen weiteren Ostkundeerlass mit dem Titel Bilder von der Heimat, in dem den Schulen nahegelegt wurde, jeden Klassenraum mit einem Bild aus dem deutschen Osten zu schmücken.5 Im Zuge dieser ersten Ostkundeerlasse geriet das niedersächsische Kultusministe- rium unter Handlungsdruck, insbesondere da Niedersachsen eines der Hauptauf- nahmeländer für Flüchtlinge und Vertriebene aus dem Osten war. Zudem hatte...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.