Show Less

Der deutsche Osten in der Schule

Institutionalisierung und Konzeption der Ostkunde in der Bundesrepublik in den 1950er und 1960er Jahren

Series:

Britta Weichers

Die Ostkunde war ein zentrales Bildungsanliegen in der frühen Bundesrepublik. Sie prägte die Schulbildung in den 1950er und 1960er Jahren entscheidend: Sie gestaltete die Erinnerung an die Vertreibungsgebiete sowie die entsprechenden Geschichts- und Gegenwartsbilder und strebte die Wiedergewinnung der ehemaligen deutschen Ostgebiete an. Zentrale Inhalte dieser Arbeit sind die Institutionalisierung und die inhaltliche Ausgestaltung der Ostkunde sowie ihre gesellschaftlichen Funktionen und Auswirkungen. Der multiperspektivische Ansatz der Studie verknüpft methodisch Diskurs-, Mentalitäts-, Politik- und Bildungsgeschichte miteinander. Sie beschreibt den Weg von entsprechenden Forderungen der Vertriebenenverbände bis zur Verankerung ihrer Inhalte in den westdeutschen Bildungskanon.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Funktion der Ostkunde in der westdeutschenNachkriegsgesellschaft

Extract

Funktion der Ostkunde in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft Ostkunde und politische Bildung Eugen Lemberg – unbestrittener Theoretiker der Ostkunde Der Versuch, die ostkundlichen Bestrebungen über ein rein unterrichtliches Anliegen hinauszuführen, wurde von Eugen Lemberg unternommen. Lemberg, den die Ost- kundler selbst als »geistige[n] Vater der ostkundlichen Bestrebungen«1 herausstellten und den Johannes-Helmut Strosche im Jahre 1967 als »große[n], unbestrittene[n] Theoretiker der Ostkunde«2 bezeichnete, entwickelte wie kein anderer Ostkundler eine äußerst weitreichende Konzeption der Ostkunde. Er war somit einer der bedeutend- sten und einflussreichsten Ostkundler in der frühen Bundesrepublik und zugleich einer der stärksten Fürsprecher für eine Ostkunde im Schulunterricht. Geboren wurde Lemberg am 27. Dezember 1903 in Pilsen, er wuchs in einem bürgerlichen Milieu auf und besuchte eine deutsche Schule. 1912 zog die Familie nach Leitmeritz, wo der junge Lemberg erste Erfahrungen im Volkstumskampf sammelte.3 Nach dem Ersten Welt- krieg wurde er nach eigener Aussage »unwilliger Untertan […] der Tschechoslowaki- schen Republik«4. Mit der Rolle der Deutschen als nationale Minderheit konnte sich Lemberg nicht abfinden und opponierte gegen den tschechoslowakischen Staat.5 Wäh- rend seines Slawistik- und Germanistikstudiums in Prag wurde er Mitglied des katholi- schen Studentenbundes ›Staffelstein‹.6 Nach abgeschlossenem Studium und Promotion 1 Ostkundliche Rundschau: Zehn Jahre Bundesarbeitsgemeinschaft für deutsche Ostkunde im Unterricht, in: DO 9/1963, Heft 4, S. 92. 2 Protzner: »Kommunismus« als Gegenstand bayerischer Schul- und Bildungsbemühungen seit 1945, 1968, S. 58. 3 Vgl. Lemberg: Ein Leben in Grenzzonen und Ambivalenzen, 1986, S. 141...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.