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Mendelssohns «Ouvertüre zum Sommernachtstraum»

Mechanismen der Rezeptionsgeschichte: Musik und Literatur in der Romantik

Jörn Rieckhoff

Die Ouvertüre zum Sommernachtstraum war die Erfolgskomposition des jungen Felix Mendelssohn Bartholdy. Mit ihrer Mischung aus Verträumtheit und jugendlichem Elan eroberte Mendelssohn die Herzen der Engländer. Zugleich war die Ouvertüre eine Visitenkarte seiner literarischen Bildung: Das zugrunde liegende Drama von William Shakespeare hatten die Romantiker zu aktueller deutscher Literatur erklärt. Durch akribische Quellensichtungen und unter Rückgriff auf historische Analysetechniken gelingt es Jörn Rieckhoff, Mendelssohns Herangehensweise an den Sommernachtstraum zu rekonstruieren. Dabei erweist sich die berühmte Komposition als Experiment, bei dem Mendelssohn poetische Strukturen aus Shakespeares Drama in kreativer Weise auf das Formmodell der Konzertouvertüre übertrug.

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Vorwort

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Ich habe es mir nämlich zum unverbrüchlichen Gesetz gemacht, niemals etwas Mu- sik Betreffendes selbst in öffentliche Blätter zu schreiben (Felix Mendelssohn Bartholdy) Felix Mendelssohn Bartholdy stellte sich mit großem Selbstbewusstsein auf den Standpunkt, dass sich die Qualität seiner Musik darin bewähren müsse, den Zu- hörer in seiner individuellen Verfasstheit als Kunstwerk anzusprechen. Eine Stellungnahme von ihm als Komponisten könne das aktive Mithören, das er von seinem Publikum erwartete, nur beeinträchtigen. Im Fall der „Ouvertüre zum Sommernachtstraum“ ermöglichte diese Hal- tung die Entstehung eines komplexen Interpretationsgeflechts, das im Verlauf des 19. Jahrhunderts immer dichter gesponnen wurde. Im Zentrum stand die Frage nach der Art der Bezugnahme auf das Drama von William Shakespeare: „A Midsummer Night‘s Dream“. Der Reiz der vorliegenden Dissertation bestand darin, dieses Geflecht aufzu- lösen und die Dreiecksbeziehung von Shakespeare-Drama, Mendelssohn- Ouvertüre und -Schauspielmusik genau auszuleuchten. Letztere entstanden im Abstand von 17 Jahren: für Mendelssohn fast ein halbes Leben, für die deutsche Shakespeare-Rezeption eine entscheidende Umbruchphase. Ich danke sehr herzlich meinem Doktorvater Prof. Dr. Konrad Küster, der die Entstehung dieser Dissertation mit wachem Auge und vielen wertvollen An- regungen begleitet hat. Zahlreiche Impulse verdanke ich Prof. Dr. Günter Schnitzler, der mich in besonderer und persönlicher Weise auf das Potential in- termedialer Fragestellungen aufmerksam gemacht hat. Wie es dem Horizont Felix Mendelssohn Bartholdys entsprach, gehört die Auswertung international verstreuter Autographe und Quellen zu den Voraus- setzungen der...

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