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Falsche Könige zwischen Thron und Galgen

Politische Hochstapelei von der Antike zur Moderne

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Gerhard Menzel

Das Phänomen politisch relevanter Hochstapelei, das heißt falscher Thronbewerber, die zeitweilig Herrschaft ausübten, Aufstände entfesselten, diplomatische Wirrungen verursachten, zumindest aber harte Sanktionen provozierten, begleitet die Geschichte der Monarchien von der Antike bis ins 19. Jahrhundert. Zwar sind die prominenteren Fälle vielfach untersucht worden, aber nur selten wurde das Thema in größeren Zusammenhängen fachhistorisch aufgegriffen. Eine Gesamtschau wurde vor allem populären Sammelbiographien überlassen. Ohne die darstellende Tradition dieser Sammelwerke gänzlich aufzugeben, orientiert sich diese Arbeit streng an den Quellen und der wissenschaftlichen Literatur. Sie bezieht bisher oft vernachlässigte Epochen und Räume ein, greift die Diskussion um Identitätsfragen und politische Hintergründe der Prätendenten auf, setzt die Einzelfälle in historische Zusammenhänge und öffnet den Blick auf die Rezeption des Themas in der schönen Literatur.

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Einleitende Bemerkungen

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Die vorliegende Arbeit ist dem Auftreten in irgendeiner Weise politisch relevan- ter, aber falscher oder fragwürdiger Thronbewerber gewidmet, die sich betrüge- risch Identität mit echten Herrschern oder Thronanwärtern anmaßten. Es bleiben also Fälle bloßer krimineller Hochstapelei oder krankhafter Identitätsverwirrun- gen (wie etwa der bekannte Fall der angeblichen Zarentochter Anastasia) ohne politische Folgen außen vor. Als politisch relevant sind zu werten: tatsächliche zeitweilige Herrschafts- erschleichung, das Auslösen von Kampfhandlungen und diplomatischer Aktio- nen sowie die allergische Reaktion etablierter Machthaber, oft ablesbar an den Sanktionen gegen diese Thronaspiranten. Auf kriminelle und psychopathische Begleit-und Folgeerscheinungen einzelner Prätendentenwellen muss freilich am Rande gelegentlich eingegangen werden. Die Geschichte solch falscher Thronbewerber ist in zahlreichen Einzelun- tersuchungen und neuerdings auch, etwa in den Werken von Lecuppre und Ber- cé, für längere Epochen, wissenschaftlich behandelt worden. Wie aber Long- worth in seinem Aufsatz über die russischen „Samosvanzen“ des 18. Jahrhun- derts bemerkte: „without gaining the status of a major historical issue.“ 1 So blieb dieses Feld in seiner Gesamtheit weitgehend populären histori- schen Sammelbiographien überlassen. (Vgl Lvz.) Ohne die narrativ-historiographische Tradition der genannten Sammelwer- ke gänzlich zu verlassen, unterscheidet sich der vorliegende Versuch doch in folgender Hinsicht von diesen Vorläufern. • Durch seinen zeitlich weiter gespannten Ansatz sowie die stärkere Einbe- ziehung nord-und osteuropäischer sowie außereuropäischer Fälle, • den strengen Rekurs auf die historischen Quellen bzw. ihrer Aufarbeitung in der wissenschaftlichen Sekundärliteratur • das Aufgreifen der historischen...

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