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Falsche Könige zwischen Thron und Galgen

Politische Hochstapelei von der Antike zur Moderne

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Gerhard Menzel

Das Phänomen politisch relevanter Hochstapelei, das heißt falscher Thronbewerber, die zeitweilig Herrschaft ausübten, Aufstände entfesselten, diplomatische Wirrungen verursachten, zumindest aber harte Sanktionen provozierten, begleitet die Geschichte der Monarchien von der Antike bis ins 19. Jahrhundert. Zwar sind die prominenteren Fälle vielfach untersucht worden, aber nur selten wurde das Thema in größeren Zusammenhängen fachhistorisch aufgegriffen. Eine Gesamtschau wurde vor allem populären Sammelbiographien überlassen. Ohne die darstellende Tradition dieser Sammelwerke gänzlich aufzugeben, orientiert sich diese Arbeit streng an den Quellen und der wissenschaftlichen Literatur. Sie bezieht bisher oft vernachlässigte Epochen und Räume ein, greift die Diskussion um Identitätsfragen und politische Hintergründe der Prätendenten auf, setzt die Einzelfälle in historische Zusammenhänge und öffnet den Blick auf die Rezeption des Themas in der schönen Literatur.

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I. Persisches Reich: der falsche Smerdis und die Lügenkönige

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Vorbemerkung: Das altpersische Reich, der Schauplatz eines der berühmtesten und rätselhaftesten aller Beispiele politischer Hochstapelei, kann mit Fug und Recht das früheste wirkliche Weltreich der Geschichte genannt werden. Es um- fasste mit dem Iran bis hin zum Indus, dem Zweistromland (Irak), Ägypten, Sy- rien-Palästina und Kleinasien die Mutterländer fast aller alten Hochkulturen, also nahezu die gesamte „zivilisierte Welt“seiner Zeit. Griechischer Hochmut mochte die Perser zuweilen als „Barbaren“ verspotten, aber auch bedeutende griechische Kulturzentren in Kleinasien standen unter persischer Herrschaft, und Griechen begaben sich gern in persische Dienste. Entstanden war dieses bemerkenswerte Reichsgebilde durch die Erobe- rungszüge Kyros des Großen. Dieser hatte von seinen Vorfahren zunächst nur ein kleines Vasallenkönigreich im Verbund des iranisch-kleinasiatischen Groß- reiches der Meder geerbt, etwa das Gebiet der heutigen Provinz Fars im Süd- westen des Iran. Um 550 v. Chr.gewann Kyros die Herrschaft über das medische Reich, 547 entriss er dem Lyderkönig Krösus Westkleinasien, 539 zog er als Sieger in das altehrwürdige Babylon ein, womit ihm nun als „König der vier Weltteile“ auch das Zweistromland mit Syrien und Palästina zufiel. >ach seinem Tod 529 er- oberte sein Sohn und >achfolger Kambyses 525-24 auch noch Ägypten. Selbstverständlich führte der glänzende und rasche Siegeszug der Perser auch zu Problemen. Wie sollten die Unterworfenen behandelt werden? Wie war das so rasch Erworbene in seiner bunten Vielfalt auf die Dauer zusammenzuhal- ten? Welche Rolle sollte dem persischen Stammesadel bei der...

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